Geschichte zweier Socken

Dies und das

Ich habe endlich mal wieder Socken fertig gestrickt. Das ist nun insgesamt mein drittes Paar.

Dinge auszuprobieren und einfach anzufangen, ist meine Große Stärke.
Dinge fertig zu machen ist meine große Schwäche.

Bei Socken ist ein Problem, dass einem die Fertigstellung des ersten Sockens bereits das Gefühl gibt, etwas fertiggestellt zu haben. Man legt den Socken weg und denkt „fertig“. Man hat Lust, sich an das nächste Projekt zu machen. Man ist motiviert. Die Wolle für die nächste Handarbeit lächelt einem vielleicht schon aus dem Schrank entgegen.

Die Entstehungsgeschichte dieser Socken ist eine Geschichte, in der viel vom Weg abgekommen wird. Es ist aber auch eine Geschichte der Ausdauer und der Durchhaltevermögens. Eine Geschichte über die Entscheidung, nicht in der Mitte aufzuhören, sondern den Weg bis zum Ende zu gehen.

Hier ist die Geschichte:

Am 6. Mai 2018 begann ich, mein drittes Paar Socken zu stricken. Nach einem Probepaar vor einigen Jahren, das ich hergeschenkt hatte, und einem Paar eine Weile später, das für mich gedacht war, aber zu klein geriet und ebenfalls hergeschenkt worden war, wollte ich nun endlich einmal ein hübsches Paar Socken für mich selber stricken.

Ich kaufte mit ein Sockenwoll-Paket beim Discounter um die Ecke und begann mein erstes Paar Socken mit Muster. Da ich zufällig eine Zopfstricknadel in genau der richtigen Größe zu Hause hatte, war das Zopfmuster überraschen einfach umzusetzen.

13. Mai 2018: Das gelungene Muster motivierte mich dermaßen, dass ich nach einer Woche bereits dabei war, die Ferse zu stricken. Die Anzahl aller Reihen und Maschen notierte ich mir ganz brav in einer entsprechenden App. Geriet ein Zopf einmal eine Reihe zu kurz, wurde auch das notiert. Ich wollte ganz sicher gehen, dass der zweite Zopf genauso aussehen würde wie der erste.

18. Mai 2018: Der große Moment, wenn die Ferse fertig ist und man den Socken das erste Mal anziehen kann (hier über eine kaputte Strumpfhose). Der Zwickel ist mir der unsympathischste Teil am ganzen Socken. Das seitliche Einstechen in die Machen der eben gestrickten Ferse geht mir nach wie vor nicht wirklich souverän von der Hand. Irgendwie funktioniert es dann aber doch immer. Habe ich gegen Ende zu wenige Maschen, wird ab einem gewissen Punkt einfach jede anstatt jeder zweiten Reihe aufgenommen. Muss ja keiner wissen.

Der Socken ist am 3. Juni 2018 fertig. Das ging ja richtig schnell, denke ich…

…und beginne promt, einen Schal zu stricken. Als der fertig ist, schreiben wir den 13. Jänner 2019.

Im Frühjahr gibt mein Handy den Geist auf. Damit sind meine ganzen Notizen darüber, wie der zweite Socken auszusehen hat, weg. Somit auch meine Motivation für den zweiten Socken. In der Zwischenzeit habe ich sowieso alles wieder vergessen, was ich jemals über das Sockenstricken wusste.

Bis in den Juli stricke ich an einem Top (das bis heute nicht fertig ist).

Im März 2020 möchte ich Kindersocken stricken. Die Wolle ist schon gekauft. Da wird mir bewusst, dass ich scheinbar irgendwann (es war jedenfalls bevor mein Handy den Geist aufgab) doch mit dem Stricken des zweiten Sockens begonnen habe, denn er blockiert das Nadelspiel, dass ich eigentlich zum Stricken der Kindersocken bräuchte.

Die Arbeit am Socken wird also wieder aufgenommen.

Am 12. April 2020 ist es so weit, dass ich den Socken anziehen kann. Das Streifenmuster habe ich ident zum ersten Socken hinbekommen. Das Zopfmuster leider nicht. Aber ich habe gelernt, damit zu leben. Es geht an den Endspurt.

23. Mai 2020
Ziemlich genau zwei Jahre nach dem Stricken der ersten Masche sind die Socken endlich fertig.
Schön sind sie geworden.

Virtuell laufen

Dies und das

Ich habe mich heute zum ersten Mal seit langem zu einem Laufbewerb angemeldet. Und das gerade jetzt, wo eigentlich derartigen alle Bewerbe abgesagt werden.
Es handelt sich um einen „Virtual Run“. Noch nie gehört? Ich auch nicht. Aber die Not macht halt scheinbar kreativ.

Wie der Lauf nun genau abrennt? Am großen Tag darf gelaufen werden – aber nur allein oder mit Menschen, mit denen man im selben Haushalt lebt (das kennen wir doch von irgendwoher), dafür aber mit App. Diese kann man immerhin selbst wählen. Wichtig ist nur, dass man seine Aktivität, inklusive gelaufener Strecke und benötigter Zeit, mit den Veranstaltern teilt. Und zwar zwischen 6:00 und 18:00.

Und jetzt kommt’s. Ich habe von diesem Lauf über einen Newsletter erfahren. „Nette Idee“ dachte ich, bin dabei. Aus Interesse habe ich dann ein bisschen gegoogelt, ob es denn vielleicht, unter Umständen, noch ein oder zwei weitere derartige Events gibt. Und siehe da – es gibt dutzende. Weltweit.

Überhaupt hat sich hier offenbar ein völlig neues Geschäftsmodell entwickelt. Während der von mir auserwählte Bewerb eigentlich im Wiener Prater hätte stattfinden sollen und nun quasi als Notlösung zu einem stark reduzierten und in Wahrheit beinahe nonexistenten Startgeld auf Home-Training umgestellt wird (Finisher-Medaille bekommt man nach dem ordnungsmäßigen Hochladen der Zeit per Post), gibt es inzwischen dutzende Internetseiten, die einem zu teils horrenden Preisen knallbunte und peppige Finisher-Medailline zuschicken. Die eigene Zeit kann man dann, falls man Lust hat, einfach auf einer Facebookseite posten. Falls man keine Lust hat, hat man eben einfach gerade um 35€ eine bunte Medaille zum an die Wand Hängen gekauft.

Wie gesagt, die Kriese macht offenbar kreativ, nicht nur was Notlösungen, sondern auch, was Abzocken betrifft. Dabei wäre etwa das Konzept eines internationalen Virtual Runs, bei dem Sportbegeisterte weltweit zur selben Zeit, oder zumindest am selben Tag, für eine guten Zweck laufen, durchaus ein nicht unschönes.

Ich werde meine Recherche noch ein wenig fortsetzen. Vielleicht führt ja mein Weg vorbei an dubiosen Online-PopUp-Stores doch noch zu dem ein oder anderen sinnvoll angelegten Event.

Homeschooling und wie das so ist mit Lernvideos

Dies und das

Ich habe mich mit dem neuen Konzept der Fernlehre recht schnell anfreunden können. Ich bin ein computeraffiner Mensch und versuche ohnehin seit Jahren, in meinen Unterricht mehr E-Learning einzubinden – bisher scheiterten meine Versuche meist an dem Unwillen meiner Schüler, ihr Smartphone für etwas anderes als YouTube und Snapchat zu benutzen.

Vorbereitet bin ich darauf, wie sich herausstellt aber trotzdem nicht. Ich habe zwar viele Ideen, die seit Jahren irgendwo auf der Ersatzbank meines Geistes auf Umsetzung warten, von heute auf morgen diese alle ins Spiel zu bringen, ist dann aber doch eine Herausforderung.

So habe ich unter Anderem entschieden, dass doch nun die perfekte Gelegenheit gekommen wäre, mein bereits in den Startlöchern eingeschlafenes Projekt umzusetzen, Lernvideos zu drehen. Ja, es gibt derer schon viele. Aber wie es mir auch oft mit Arbeitsblättern aus dem Internet oder Schularbeitsangaben von Kollegen geht, sie sind einfach nie genau das, was ich gerne hätte. Also dann doch lieber gleich selber machen.

Gesagt getan, erstes Video erstellt, wie in der zugehörigen Fortbildung gelernt, erst mal mit Powerpoint. Geht überraschend gut, alles schön intuitiv und einfach. Dauert Stunden. Ja, ich tue mir eindeutig zu viel an (wovor wir in der selben Fortbildung gewarnt wurden). Ja, ich könnte einfach ein Blatt Papier nehmen, alles schön aufschreiben wie auf die Tafel, dazu ein bissche quatschen und fertig (wie es in der selben Fortbildung zumindest für den Anfang empfohlen wurde). Nein, so mache ich das nicht. Lieber sitze ich eine ganzen Tag an einer nahezu perfekt animierten Powerpoint-Präsentation, mit Animationen, schönen Erklärungen, genau zum richtigen Zeitpunkt eingeblendeten Fragen und Antworten.

Dann tut sich das nächste Problem auf – ich habe ja gar kein Mikrophon. Also erst mal mit dem Bluetooth-Headset vom Handy probiert. Leider zum Vergessen, Verzögerung am Ende eines einminütigen Videoabschnitts – zwei Sekunden. Also mit dem Laptop aufgenommen. Geht besser, solange man sich während des Sprechens keinen Millimeter vor oder zurück bewegt.
Natürlich muss bei jedem Versprecher von vorne begonnen werden – noch ein ganzer Tag zum Vertonen. Video fertig, Dauer etwa 15 Minuten, Arbeitsaufwand etwa 15 Stunden.
Am Ende dann schließlich um teuer Geld ein professionelles Mikrophon bestellt.

Die Motivation bleibt aufrecht, mit neuem Mikro geht es frisch ans nächste Video – und das nächste Problem. Um die Konstruktion des Parallelogramms am Papier aufzuzeichnen, fehlt mir die Kamera. Also mal schnell das Smartphone mit Häkelgarn an das Stativ der Kamera gebunden. Wackelige Sache. Die Qualität lässt zu wünschen übrig. Vielleicht nächstes Mal noch eine Dokumentenkamera? Aber das Geld wächst ja nicht auf Bäumen!

Das zweite Video ist fast doppelt so lang wie das erste. Arbeitsaufwand ebenso.
In vier Tagen habe ich also meine ersten beiden Lernvideos gedreht, insgesamt dauern sie etwa so lange wie eine ganze Unterrichtsstunde.

Vielleicht also doch lieber Unterricht über Live-Stream? Damit würde ich aber meine Schüler vor genau jene Schwierigkeiten stellen, die ich gerade seit Tagen mit enormem Zeit- und nicht unerheblichem Kapitalaufwand zu überwinden versuche.

Alles in Allem halte ich Homeschooling für eine machbare Sache, die allerdings mehr Vorlaufzeit und Ressourcen bräuchte, als ihr in der aktuellen Situation gegönnt war. Für die nächsten vier Wochen fühle ich mich aber immerhin schon bereiter, als ich es für die letzten vier Wochen war. Immerhin habe ich ja schon 50 Minuten Videomaterial.

Die Ergebnisse meiner Arbeit kann man sich übrigens hier anschauen:
https://www.youtube.com/channel/UCoAm01-2KcFO3o0MZjcz8WA

A Walk in the Park

Dies und das, Fotografie

Luft schnappen ist ja ausdrücklich noch erlaubt, also mal Kameratasche gepackt und eine Runde spaziert. Ob die Leute sich wirklich „daran gewöhnen, dass das Leben jetzt langsamer läuft“, wie ich es schon sowohl von Regierungsvertretern als auch von Reportern gelesen habe, wage ich zu bezweifeln. Meiner Wahrnehmung nach sitzen die Leute daheim wie auf Kohlen, bereit, aufzuspringen und in höchstem Tempo hinauszulaufen, sobald es geht. Ich jedenfalls kann dem „langsamen Leben“ jetzt jedenfalls nicht allzu viel abgewinnen.

Nichts desto trotz beginne ich meinen Spaziergang gemächlich und widme eine Aufmerksamkeit den kleinen Wegesrand-Blühern, an denen man oft einfach vorbeiläuft, obwohl sie bereitwillige und geduldige Motive darstellen.

Weiter ging es zu meinem eigentlichen Ziel, einem von Weiden umrandeten See in einem Park, den ich nur entdeckt habe, weil man ja nirgends hinfahren darf. Tatsächlich hatte ich mir schon lange vorgenommen, ihn mir mal genauer anzuschauen, aber erst neulich hat es sich das erste Mal ergeben. Und prompt beschloss ich, mit Kamera wiederzukommen, der See bietet einfach ein traumhaftes Motiv.

Fotografiert habe ich dann eher unkonventionell, mit einer möglichst langen Belichtungszeit, um den Wind in den Ästen der Weiden einzufangen.
Um der Überbelichtung entgegenzuwirken, habe ich sowohl Pol-, als auch UV-Filter vor die Linse gepackt. Keine ideale Lösung, aber wo die Ausrüstung fehlt, muss eben die Kreativität her.

Promt hat mich das aufgenommene Bild an das Cover des ersten Albums von Elvenking erinnert, „To Oak Woods Bestowed“. Ob tatsächlich Stimmungs-Ähnlichkeit besteht, darüber kann selbst geurteilt werden. Hier jedenfalls mein Foto.

Das Bild hat mir so gut gefallen, dass ich gleich noch eines gemacht habe. Auf diesem zweiten Bild ist die heftige Bewegung der Zweige etwas besser zu sehen, es vermittelt aber, meiner Meinung nach, insgesamt eine etwas andere Stimmung, obwohl der Unterschied in der Belichtung nur eine Zwanzigstel Sekunde beträgt.

Ich bin sicher, dass der See fotografisch noch wesentlich mehr aus sich herausholen lässt, als mir das bei meinem ersten Versuch gelungen ist. Aber wenn die Ausgangsbeschränkungen tatsächlich noch bis Ende April andauern, werde ich ja genug Zeit haben, den See noch öfters zu umrunden. Hier jedenfalls noch zwei Fotos der aktuellen Umrundung.

Zum Abschluss noch ein dem Anlass geschuldetes, unspektakuläres Foto eines Parks, der auf den ersten Blick nicht so leer ist, wie er auf Grund der aktuellen Situation vielleicht sein sollte, auf den zweiten Blick aber immer noch wesentlich leerer ist, als bei derartigem Wetter zu erwarten. Ein menschenleerer Frühling. Was für ein Sommer auf uns zukommt, lässt sich nur erahnen.

Der unscheinbare Tod

Dies und das, Word in Progress

Was viele, die mich kennen, ahnen, aber die wenigsten wissen, ich habe einen leichten Hang zur Depression, wenn ich zu viel Zeit ohne äußerliche Routine verbringen muss.

Menschen, die mich im meine Sommerferien beneiden, kennen mich nicht. Zu sagen, neun Wochen Zwangsurlaub seien die Hölle, wäre übertrieben, aber genießen kann ich sie seit meiner Unizeit eigentlich kaum noch.

Warum das so ist, das Gefühl, jeden Tag aufs Neue nichts erreicht oder vorangebracht zu haben, ist jemandem, der es nie erlebt hat, schwer zu beschreiben. So absurd, wie es auf den ersten Blick klingen mag, ist es aber auch nicht.

Erst gestern las ich den Bericht eines Journalisten, der trotz negativem Coronatest zu zwei Wochen Quarantäne verdonnert wurde. Er beschreibt, und das schon nach wenigen Tagen, ähnliche Symptome wie ich sie in solchen Situationen bei mir selbst erlebe. Dass man in der Früh aufwacht und sich fragt, warum man sich überhaupt anziehen soll. Wenn einem bald sogar das Aufstehen sinnlos erscheint, weil man ja sowieso nichts zu tun hat.

Als ich heute bei unserer auf unbestimmte Zeit letzten Chorprobe saß, nur etwa ein Drittel von uns war anwesend die übrigen aus Vorsicht daheim geblieben, wurde mir schmerzlich bewusst, was das Virus tatsächlich für uns bedeutet. Und ich bekam die Angst, die ich davor vor dem Virus nicht gehabt hatte.

Es ist keine Angst vor Fiber, vor Husten oder überfüllten Spitalern, vor Lebensmittelknappheit oder Stromausfälle. Es ist eine Angst vor einem Sterben von Innen heraus.

Freiwillig oder nicht, befinden wir uns alle plötzlich in Quarantäne. Die Geschäfte schließen. Die Museen, Theater, Restaurants. Keine Chorprobe mehr, keine Tanzkurse, Musikstunden, kein netter Abend im Café.

Nicht nur ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass man verurteilt, teilweise beschimpft wird, wenn man noch auf die Straße geht. Wenn man seine Freunde, seine Familie trifft. Wir machen einander krank, weil wir gesund bleiben wollen.

Ich habe versucht, mit meinem Partner darüber zu sprechen. „Aber dafür geht es dir gesundheitlich gut“, hat er gesagt. Das sei viel wichtiger. Aber genau darauf wollte ich hinaus. Es geht mir nicht gut. Und nur, weil ich nicht huste, bin ich nicht gesund.

Heute habe ich gesungen, im Kreis von Freunden, habe Glück getankt, es hat gut getan. Ich habe gemerkt, dass ich genau das jetzt am meisten brauche. Aber es war das letzte Mal.

An alle, die heute zu Hause geblieben sind: anstatt Nudeln und Toilettenpapier zu bunkern, hättet ihr lieber in diese letzte Probe kommen sollen. Lebensmittel wird es auch nächste Woche noch zu kaufen geben. Es ist die Nahrung für die Seele, an der bald Knappheit herrschen wird.

Schon alles ein bisschen wie ausgestorben.

Dies und das

Am Weg zur vorerst letzten Chorprobe für unbestimmte Zeit, das Konzert Ende März wurde sowieso schon abgesagt.

So richtig will einem der Ernst der Lage irgendwie nicht bewusst werden, viel mehr kommt einem das ganze nach wie vor recht unwirklich vor. Um nicht zu sagen, von Stunde zu Stunde unwirklicher, wenn man zu eigentlich noch nicht ganz so später Stunde, aber doch schon bei anständiger Dunkelheit durch eine beinahe menschenleere Stadt fährt.

Scheinbar haben die Leute Angst. Ich selbst habe keine, finde das ganze bloß auf eine morbide Art aufregend, bin ich vielleicht nicht ganz normal oder ging es mir in meinem bisherigen Leben einfach zu gut, sodass mir die Gefahr einfach nicht ins Bewusstsein dringen will.

Vorsichtig bin ich ja schon, wasche mir die Hände öfter als sonst, vermeide Kontakt mit Haltegriffen und uneigenen Händen. Aber Angst habe ich eigentlich keine.

Die anderen scheinbar schon. Menschen, die nie auf die Idee gekommen wären, sich den problemlos verfügbaren Impfstoff gegen Influenza verabreichen zu lassen, Menschen, die ohne Bedenken rauchen wie ein inverser Schornstein, Menschen, deren wöchentlicher Fleischkonsum im Kilogramm höher ist, als ihre Dlüssigkeitsaufnahme in Litern, haben plötzlich Angst vor dem Coronavirus.

Warum? Ich bin nicht sicher. Auch wenn ich die Gefährlichkeit des Virus durchaus begreife, spreche ich den meisten dieser Menschen eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit zu, durch eine ganz andere, leicht abzuwenden Ursache zu sterben, als am Coronavirus. Aber ich schätze, akute Gefahren erscheinen einem immer größer. An Lungenkrebs stirbt man schließlich nicht von heute auf morgen.

Was ich nicht ganz verstehe, ist die Notwendigkeit, von der sxih scheinbar momentan die halbe Stadt ergriffen fühlt, Toilettenpapier zu horten. Wie mein Vater richtig sagt:

Die halbe Stadt wird sich bei den Hamsterkäufen im übergut besuchten Supermarkt mit dem Virus anstecken, die andere Hälfte wird am Klopapiermangel zu Grunde gehen.

Fang nie an aufzuhören…

Dies und das

…hör nie auf anzufangen. So lautet ein bekanntes Zitat von Marcus Tullius Cicero.

Ich bin jemand, der immer gerne anfängt. Vielleicht sogar ein wenig zu sehr. Und wenn man fast jede Woche irgendetwas neues anfängt, dann ist es wohl auch notwendig, mit einigern Dingen auch wieder aufzuhören. Oder?

Natürlich ist es wichtig, Dinge auszuprobieren und natürlich wird man im Laufe seines Lebens auch auf etliche Dinge stoßen, die einen nach erstmaligem Kennenlernen nicht genug begeistern, um ihnen mehr Zeit zu widmen. Das muss erlaubt sein, will man sich nicht zum Sklaven der eigenen Neugierde machen.

Ich habe Erfahrung damit. Es war nicht einfach für mich, mit dem Aufhören anzufangen, aber ab einem gewissen Punkt wird es notwendig. Genauso, wie es notwendig ist, ab und zu den Kleiderschrank auszumisten, wenn man gerne hin und wieder neue Kleidung kauft.

Aber es gibt Menschen, die hören mit dem Aufhören einfach nicht auf. Ich kenne sogar Menschen, die öfter mit etwas aufhören als sie mit etwas anfangen.

In diesem Zusammenhang kommt mir etwas in den Sinn, das mir ein Bekannter vor einigen Jahren erzählt hat, einer ebenjener begeisterten Aufhörer übrigens. Er erzählte mir stolz, seine Mutter hätte ihn nie zu etwas gezwungen, dass er nicht tun wollte.

Das klingt im ersten Moment sehr vernünftig, gibt es doch hunderte wohlgemeinte Bücher und Ratgeber, die einem erklären, man solle seine Zeit ausschließlich mit Dingen füllen, die einem Freude bereiten.
Aber man stelle sich nur ein Kind vor, zu dem stets gesagt wurde: „Wenn es dir keinen Spaß macht, hör auf.“

„Wenn dir das Klavierüben keinen Spaß macht, hör einfach auf.“ Ein Instrument zu lernen ist viel Arbeit. Natürlich soll es einem Spaß machen, aber um erfolgreich zu sein, muss man eben regelmäßig üben, auch wenn man mal keine Lust hat. Im Idealfall wird der Fleiß dann mit dem Erfolg eines erlernten Stücks belohnt. Das Kind lernt, dass das viele Üben sich ausgezahlt hat. Es hat sich ausgezahlt, weiterzumachen, auch wenn es nicht immer Spaß gemacht hat.

Tatsache ist, dass Kinder, die immer nur das getan haben, was ihnen Spaß macht, nie das Gefühl kennengelernt haben, dass man empfindet, wenn man etwas erreicht hat, für das man hart arbeiten musste. Dieses Gefühl ist ein sehr wichtiges, denn es motiviert uns, uns auch weiterhin für unsere Ziele anzustrengen.

Ich habe oft genug mit Jugendlichen zu tun, die in ihrem gesamten Leben nie ein derartiges Gefühl erlebt haben, weil sie bereits als Kinder mit dem Aufhören angefangen haben. Was sie nie gelernt haben, ist das Weitermachen.
Das Ergebnis ist, dass sie nicht bereit sind, sich für irgendetwas anzustrengen, weil sie gar nicht wissen, was ein richtiges Erfolgserlebnis ist. Traurig aber wahr.

Was wird also aus diesen Menschen, die nicht wissen, was Erfolg ist? Kann jemand, der nicht weiß, was Erfolg ist, überhaupt erfolgreich sein?

Ich lasse diese Frage vorerst offen und schließe mit einer leicht abgeänderten Form des Eingangszitats:

Hört nie auf, Anzufangen, aber hört doch bitte endlich mal mit dem Aufhören auf!

Hunde, die bellen

Dies und das

Die Woche ist mal wieder schneller vergangen, als mir lieb ist, respektive die ersten fünf Jännertage, also die Zeit seit den Neujahrsvorsätzen.

Drei mal die Woche Sport – nein, aber immerhin einmal Nordic Walking und ein Spaziergang, also besser als nichts. Der Hund, der mich beim Walken plötzlich angeknurrt und mich dann eine Weile zähnefletschend umkreist hat, hat mir zugegebenermaßen ein bisschen die Motivation geraubt. Wurde angeblich früher mit Stöcken geschlagen, klärte mich der aktuelle Besitzer auf. Hat scheinbar Aggressionen gegen Menschen mit Stöcken. Schon blöd. Immerhin Beißkorb.

Jeden Tag Klavier üben – nicht mal annähernd, aber vielleicht schaffe ich es wenigstens einige Wochen, mich nicht weiter zu verschlechtern. Ist halt schwierig, jedes Mal, wenn das Baby mich spielen hört, will es mitspielen, was ich prinzipiell begrüße, meinen eigenen Fähigkeiten aber nicht so zuträglich ist.

Fleißig an meinem Buch schreiben – bisher nicht, aber immerhin rennt der Blog. Ich kann das alles noch aufholen! (Siehe auch „NANOWRIMO – seither ist nichts passiert“).

Immerhin hat das Jahr noch weitere 260 Tage, um Vorsätze umzusetzen. Und Montag ist immer so ein Diese-Woche-wird-alles-besser-Tag.

Sonstige Erkenntnisse der Woche:
Burgenland gibt, wenn man Wien gewöhnt ist, feuerwerkstechnisch echt nicht viel her zu Silvester.
Es gibt Nasensauger für Babys, die man an den Staubsauger anschließen kann (ich bin nicht bereit, das auszuprobieren).
Und auch im Jahr 2020 haben die Tage immer noch nicht mehr als 24 Stunden. Vielleicht ja dann 2021.