Tomaten und Bohnen

Dies und das

Meine Tomaten haben mir die Ausquartierung in die anhaltende Kälte nur teilweise verziehen. Von den ursprünglich 12 vielversprechenden Pflänzchen entwickeln sich nur drei gut – und von denen habe ich eine beim Hochbinden abgeknickt und damit wahrscheinlich dauerhaft außer Gefecht gesetzt. Die anderen neun Artgenossen sind in den letzten Wochen nicht nur nicht größer, sondern scheinbar kleiner geworden.

Dafür sind meine Buschbohnensamen nach elf langen Tagen des Wartens allesamt aufgegangen. Nachdem gestern Nachmittag noch keine Spur eines Keimlings zu sehen war, waren die Pflanzen heute Früh teilweise bereits bis zu acht Zentimeter hoch.

Buschbohnen vertragen sich gut mit Tomaten, habe ich gelesen, genauso wie Studentenblumen und Basilikum. Also habe ich in einem Schub an Motivation alle diese Samen bestellt und viel zu eng in meine viel zu kleinen Töpfe gepflanzt. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Außerdem habe ich als Erfolg der Woche zu verbuchen, dass ich ein Bastelset, dass ich mir vor Jahren gekauft hatte, weil ich die Idee gut fand, etwas aus alten Socken machen zu können und die Anleitung wollte, und weil mich die Box als sehr praktisch und tendenziell brauchbar angesprochen hat, unter den kritischen Blicken meiner Tochter, die fleißig geholfen hat, die Katze mit Watte zu füllen, endlich fertig gestellt habe.

Fang nie an aufzuhören…

Dies und das

…hör nie auf anzufangen. So lautet ein bekanntes Zitat von Marcus Tullius Cicero.

Ich bin jemand, der immer gerne anfängt. Vielleicht sogar ein wenig zu sehr. Und wenn man fast jede Woche irgendetwas neues anfängt, dann ist es wohl auch notwendig, mit einigern Dingen auch wieder aufzuhören. Oder?

Natürlich ist es wichtig, Dinge auszuprobieren und natürlich wird man im Laufe seines Lebens auch auf etliche Dinge stoßen, die einen nach erstmaligem Kennenlernen nicht genug begeistern, um ihnen mehr Zeit zu widmen. Das muss erlaubt sein, will man sich nicht zum Sklaven der eigenen Neugierde machen.

Ich habe Erfahrung damit. Es war nicht einfach für mich, mit dem Aufhören anzufangen, aber ab einem gewissen Punkt wird es notwendig. Genauso, wie es notwendig ist, ab und zu den Kleiderschrank auszumisten, wenn man gerne hin und wieder neue Kleidung kauft.

Aber es gibt Menschen, die hören mit dem Aufhören einfach nicht auf. Ich kenne sogar Menschen, die öfter mit etwas aufhören als sie mit etwas anfangen.

In diesem Zusammenhang kommt mir etwas in den Sinn, das mir ein Bekannter vor einigen Jahren erzählt hat, einer ebenjener begeisterten Aufhörer übrigens. Er erzählte mir stolz, seine Mutter hätte ihn nie zu etwas gezwungen, dass er nicht tun wollte.

Das klingt im ersten Moment sehr vernünftig, gibt es doch hunderte wohlgemeinte Bücher und Ratgeber, die einem erklären, man solle seine Zeit ausschließlich mit Dingen füllen, die einem Freude bereiten.
Aber man stelle sich nur ein Kind vor, zu dem stets gesagt wurde: „Wenn es dir keinen Spaß macht, hör auf.“

„Wenn dir das Klavierüben keinen Spaß macht, hör einfach auf.“ Ein Instrument zu lernen ist viel Arbeit. Natürlich soll es einem Spaß machen, aber um erfolgreich zu sein, muss man eben regelmäßig üben, auch wenn man mal keine Lust hat. Im Idealfall wird der Fleiß dann mit dem Erfolg eines erlernten Stücks belohnt. Das Kind lernt, dass das viele Üben sich ausgezahlt hat. Es hat sich ausgezahlt, weiterzumachen, auch wenn es nicht immer Spaß gemacht hat.

Tatsache ist, dass Kinder, die immer nur das getan haben, was ihnen Spaß macht, nie das Gefühl kennengelernt haben, dass man empfindet, wenn man etwas erreicht hat, für das man hart arbeiten musste. Dieses Gefühl ist ein sehr wichtiges, denn es motiviert uns, uns auch weiterhin für unsere Ziele anzustrengen.

Ich habe oft genug mit Jugendlichen zu tun, die in ihrem gesamten Leben nie ein derartiges Gefühl erlebt haben, weil sie bereits als Kinder mit dem Aufhören angefangen haben. Was sie nie gelernt haben, ist das Weitermachen.
Das Ergebnis ist, dass sie nicht bereit sind, sich für irgendetwas anzustrengen, weil sie gar nicht wissen, was ein richtiges Erfolgserlebnis ist. Traurig aber wahr.

Was wird also aus diesen Menschen, die nicht wissen, was Erfolg ist? Kann jemand, der nicht weiß, was Erfolg ist, überhaupt erfolgreich sein?

Ich lasse diese Frage vorerst offen und schließe mit einer leicht abgeänderten Form des Eingangszitats:

Hört nie auf, Anzufangen, aber hört doch bitte endlich mal mit dem Aufhören auf!