Cover des Buchs "It's ok to be angry about capitalism" von Bernie Sanders

Warum verändert nicht endlich einmal jemand tatsächlich die Welt?

Dies und das

Ich lese gerade ein Buch des US-Politikers Bernie Sanders. Ich habe es schon vor einer ganzen Weile in der Buchhandlung entdeckt und mir gedacht: „Warum nicht, der Typ interessiert mich.“ Ich hatte den Präsidentschaftswahlkampf 2020 verfolgt, war enttäuscht vom Ergebnis und habe mich seitdem immer wieder gefragt, was passiert wäre, hätte Sanders seine Kandidatur nicht zurückgezogen.

Zunächst möchte ich anmerken, dass ich von dem Buch sehr lange sehr enttäuscht war. Das ganze erste Drittel hat eigentlich sehr wenig bis garnichts mit Kapitalismus zu tun, ist beinahe ausschließlich Selbstbeweihräucherung und eine übertrieben detaillierte Beschreibung des Wahlkampfes, abgesehen von einem kurzen Einwurf über das absurde System der Wahlkampffinanzierung in den USA.

Dabei wären wir aber schon bei einem der beiden großen Punkte, die ich aus diesem ersten Teil des Buches mitnehme (dem zweiten großen Punkt widme ich mich nächste Woche). Sanders bemängelt dieses System, in dem Milliardäre und große Konzerne beinahe im Alleingang Wahlkämpfe finanzieren und dafür zweifellos so einiges an Gegenleistungen bekommen. Er betont mehrfach, wie stolz er darauf ist, seinen eigenen Wahlkampf gänzlich ohne Großspenden geführt zu haben. Er habe damit gezeigt, dass es auch in den USA möglich ist, eine politische Bewegung groß zu machen ohne sich bereits während des Wahlkampfs an den Meistbietenden zu verkaufen. Es ist möglich, mit Idealismus allein Wahlkampf zu machen, auch ohne das Geld von Konzernen und Lobbies.

Warum, so frage ich mich, hat Bernie Sanders dieses, seinen eigenen Worten nach, enorme Momentum nicht genutzt, um eine eigene Partei zu gründen? Ein häufig genannter Grund, warum Parteien jenseits der Demokraten und Republikaner bei größeren Wahlen so gut wie keine Bedeutung haben, ist der, dass es ohne die entsprechende Finanzierung in den USA einfach nicht möglich ist, im Wahlkampf ausreichend präsent zu sein. Sanders hätte die Mittel gehabt, es zumindest zu versuchen.

Bernie Sanders war den Mächtigen in der Demokratischen Partei zu progressiv, das ist kein Geheimnis. Bereits während des Wahlkampfs 2020 war schnell klar, dass der Politiker von seiner eigenen Partei zu wenig Unterstützung erhalten würde, um erfolgreich zu sein. Aus Angst vor einem Wahlsieg Trumps zog er schließlich seine eigene Kandidatur zurück und unterstützte Biden, in der Hoffnung, die Stimmen der demokratischen Wähler so hinter einem Kandidaten zu einen. Ich bezweifle stark, dass das im Sinne seiner Unterstützer gewesen ist.

Sanders beschreibt in seinem Buch, dass er seinen Einfluss unter der Biden-Regierung nutzen konnte, um einige seiner Anliegen zumindest in abgeschwächter Form durchzusetzen. Viel öfter und ausführlicher beschreibt er allerdings, wie viel ihm verwehrt wurde, weil es in „seiner“ Partei viel zu wenige Menschen gab, die seine Ansätze und Ansichten teilen. Wie Abstimmungen außerdem im Senat trotz einer absoluten Mehrheit der Demokraten zu deren Ungunsten ausfielen, weil es innerhalb der Demokratischen Partei immer wieder einzelne Personen gab, die die von der eigenen Partei eingebrachten Vorschläge nicht mittragen wollten. Was hat man dann eigentlich davon, für die Demokraten im Senat zu sitzen? Hierzu ist anzumerken, dass Bernie Sanders tatsächlich offiziell als Unabängiger im Senat sitzt, sich allerdings der Fraktion der Demokraten (Democratic Caucus of the United States Senate) angeschlossen hat.

Und die große Frage, die sich mir nach alldem stellt: Warum sollte man als Nicht-Republikaner in den USA überhaupt noch zur Wahl gehen? Nehmen wir Donald Trump, der sich bereis in seinem Wahlkampf in seiner Radikalität durchaus von bisherigen republikanischen Kandidaten abhob, einmal aus der Rechnung vollständig heraus und reden nur über den Senat. Realistischerweise hat man die Wahl, für seinen Bundesstaat den republikanischen oder den demokratischen Kandidaten zu wählen. Andere Kandidaten stehen oft nicht zur Wahl (die Hürden für eine Kandidatur sind teilweise extrem hoch) oder gehen ohne das nötige Budget im Wahlkampf unter.

Nun angenommen, ich sei Demokrat. Dann könnte ich bei der Senatswahl die Republikaner wählen, die ganz sicher nicht in meinem Interesse abstimmen. Oder ich könnte die Demokraten wählen, die statistisch gesehen auch nicht in meinem Interesse abstimmen. Selbst bei einer absoluten Mehrheit der Demokraten im Senat findet sich für zahlreiche Anträge der Demokraten im Senat keine absolute Mehrheit. Während ich es prinzipiell positiv sehe, wenn Mandatare nicht verpflichtet sind, immer entsprechend ihrer Parteilinie abzustimmen, ist eine solche Situation für demokratische Wähler nachvollziehbarerweise frustrierend.

Noch schwieriger muss die Wahl für jemanden sein, der sich tatsächlich Veränderungen wünscht, vielleicht sogar ein besseres Gesundheits-, Bildungs- oder Sozialsystem. Für diese Menschen steht eigentlich niemand zur Wahl. Die einzige Person, die sich für diese Ziele eingesetzt hatte und, so schien es, damit Erfolg hätte haben können, hat sich schließlich einer der Parteien angeschlossen, die eigentlich alles möglichst im Status quo belassen wollen.

Ja, Bernie Sanders sitzt nach wie vor im Senat. Aber wo waren die Kandidaten einer potenziellen Bernier-Sanders-Partei in den anderen Bundesstaaten? Wenn die Unterstützung für seine Bewegung tatsächlich so groß war, wie Sanders in seinem Buch behauptet, vielleicht könnten im Senat jetzt statt einem sogar zehn Bernies sitzen, oder mehr. Vielleicht hätten Kandidaten dieser neu gegründeten Partei die teils absurden Hürden für eine Kandidatur überwinden, hätte der Wunsch nach Veränderung tatsächlich die Massen mobilisieren können.

Vielleicht auch nicht. Aber da war nun jemand, der vielleicht tatsächlich in einem starren System etwas hätte verändern, vielleicht tatsächlich die Welt hätte bewegen können. Und er hat nicht. Und immer wieder frage ich mich, was könnte jetzt alles anders sein?

Blumenfeld

Unplanquadrat

Fotografie

Diese Woche wollte ich mal wieder mit den Bildschablonen experimentieren, die mir bedarfsweise mit der Einhaltung der Drittel-Regel oder des goldenen Schnitts helfen. Die ursprüngliche Idee war, die Drittelregel auf eine Breitbildaufnahme anzuwenden.

Mit der vorhandenen Bildkomposition war dies allerdings nicht möglich, nach dem perspektivischen Entzerren (die Häuserwände erschienen an den Bildrändern schrecklich schief) wurde es nicht einfacher, im Gegenteil.

Also machte ich kurzerhand etwas ganz anderes. Ich schnitt ohne Rücksicht auf Verluste das Bild radikal so zu, dass es passte. Und plötzlich hatte ich ein Quadrat.

Das zweite Bild entstand völlig unbeabsichtigt. Ich hatte eigentlich vor, einen zweiten Versuch für meine Breitbildvariante zu starten, fügte das Bild in Gimp aber unabsichtlich so ein, dass es auf die bereits bestehende quadratische Ebene zugeschnitten wurde. Und der Bildausschnitt gefiel mir auf Anhieb total gut.

Leider störte der Laternenmast, der sich nicht brav an die Drittelregel hielt, sondern sich fast genau in der Mitte des Bildes befand. Also habe ich ihn spaßhalber mit dem Stempelwerkzeug von Gimp wegretuschiert. Natürlich erkennt man das bei genauerem Hinschauen sofort, aber für ein Instagram-Bild reicht es und es hat Spaß gemacht.

Das dritte Bild musste dann schließlich natürlich auch ein Quadrat werden. So ist im Endeffekt eine Serie aus drei Bildern entstanden, mit der ich sehr zufrieden bin.

Zum Schluss hier noch das Originalbild, aufengommen mit meinem Samsung S22 Ultra

Erfolg und Misserfolg

Dies und das

Diese Woche hatte ich einen sehr großen Erfolg. Mein Lavendel-Polster ist endlich fertig. Es handelt sich dabei um ein Kreuzstich-Set, dass ich bereits letztes Jahr im Frühling bestellt habe mit dem festen Vorsatz,  rechtzeitig zur Lavendelblüte fertig zu werden. Einmal, nur einmal wollte ich mir im Katalog ein saisonales Bastelprojekt aussuchen und dieses auch tatsächlich in der entsprechenden Saison fertig bekommen.

Ich bin auch Anfangs wirklich gut voran gekommen. Aber dann kam mein Sohn auf die Welt und danach hat sich das Arbeitstempo drastisch reduziert. Ich habe es nicht rechtzeitig geschafft, obwohl ich meine Deadline schließlich sogar auf „vor Ende der Lavendelblüte“ nach hinten verschoben hatte

Das hat mich sehr unglücklich gemacht, aber ich habe es überlebt. Und heuer habe ich das Projekt wieder aufgegriffen. Das wäre doch gelacht, dachte ich, es ist ja fast fertig. Der Lavendel blüht ja sogar schon wieder.

Und jetzt ist es also fertig. Das war mein großer Erfolg diese Woche.

Leider ist es nun so, dass es im Leben auch Misserfolge gibt. Mein Projekt, entsprechend meinem neuen Buchkauf jede Woche ein anderes Granny Square auszuprobieren und jeweils möglichst viele Exemplare herzustellen, ist bereits in seiner dritten Woche ziemlich eingeschlafen. Das ist mein Misserfolg diese Woche.

Aber ich hoffe, auch diesen noch in einen Erfolg umwandeln zu können. Ich habe mich schon an die Arbeit gemacht und hoffe, die verpassten zweieinhalb Wochen aufzuholen.

Strickende Frau vor dem Kamin

Was soll man schreiben

Dies und das

In letzter Zeit ist wirklich viel passiert. Trump ist wieder Präsident und Kickl wird vielleicht Kanzler (wenn die ÖVP nicht doch noch einen Hauch von Stolz im Nachtkästchen findet, vielleicht sogar Anstand, was aber unwahrscheinlicher ist). Alleine das bietet eigentlich viel Material, damit will ich mich Sonntag Nachmittag aber eigentlich garnicht so befassen. Vielleicht später mal.

Instagram soll man ja jetzt vielleicht boykottieren, WhatsApp vielleicht auch, vielleicht war aber alles nur ein Missverständnis oder doch ein technischer Fehler. X, also Twitter ist ja schon lange böse und TikTok sowieso. Die Show darüber, ob TikTok nun in den USA tatsächlich verboten bleibt oder doch gerettet wird oder doch unnötig ist, lässt zum Popcorn greifen. Ob der zahlreichen Unternehmen, die angeblich ohne TikTok beinahe sofort in Konkurs gehen würden, fragt man sich dann doch, wie die Welt, auch die digitale, es bis 2016 ohne TikTok ausgehalten hat. Ich bin ja allgemein ein eher zurückhaltender TikTok-User, könnte mir weder vorstellen, über TikTok einzukaufen, noch dort einen Friseurtermin zu buchen oder gar einen Langstreckenflug. Auch Versicherungsberatung via TikTok käme mir befremdlich vor, genauso wie die Essensbestellung. Ich würde also wirklich gerne wissen, um welche Unternehmen es sich handeln könnte, die dermaßen von einer ganz spezifischen Social-Media-Plattform abhängig sind, dass sie bei deren Sperre quasi nicht mehr überlebensfähig sind.

Ein Sturm über Irland war da ja auch noch. Groß angekündigt als einer der stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen, war er im Nachhinein wohl zumindest dem Standard nicht der Rede wert. Dort scrollt man in der App sehr sehr lange die Schlagzeilen durch, ohne dass der erwähnt wird. Hundertausende Menschen ohne Strom, kann ja mal passieren. Da ist (offenbar) schon viel interessanter, dass ein Dienst in Deutschland per Fax KI-Antworten (auf welche Fragen?) verschickt, oder dass Kanada glatt ein Teil der EU sein könnte, wenn es nicht jenseits des Atlantiks liegen würde. Man muss Prioritäten setzen.

Vielleicht sollte ich das auch machen. Vielleicht sollte ich mich mit der Welt da draußen gar nicht so viel beschäftigen, die ist mir eh gerade ein bisschen zu aufgeregt. In letzter Zeit habe ich ja tatsächlich irrsinnig viel gelesen (heuer schon sechs Bücher geschafft und damit meiner heurigen Lesechallenge tatsächlich zwei Bücher voraus). Ich sollte wieder mehr kochen, solange die Energiepreise noch niedrig genug sind, dass man es sich leisten kann, den Herd aufzudrehen. Ich habe auch so viele angefangene Handarbeitsprojekte herumliegen (WIPs, wie man sie im Fachjargon nennt). Vielleich schaffe ich es, den Schal für meine Tochter fertig zu stricken, bevor es dank Erderwärmung in Wien für immer zu warm für Wollschals sein wird. Vielleicht, aber nur vielleicht, wird sogar irgendwann mein Pullover fertig.

So gesehen sollte ich es wohl machen wie bei einem Schneesturm – Fenster zu, Kamin an (Heizung kann man sich bald nicht mehr leisten), gutes Buch lesen, Socken stricken.

Warum man Wahlprogramme manchmal doch vollständig lesen sollte

Dies und das

Bald ist ja Nationalratswahl. Zu den bekannteren und präsenteren Parteien hat man sich als halbwegs politisch interessierter Mensch bestimmt bereits ein Bild gemacht, das passiert ja für gewöhnlich (und idealerweise) nicht nur in den intensiven Wahlkampfwochen, sondern über Monate und Jahre hinweg, während man beispielsweise die Arbeit der Parteien im Parlament oder in diversen Landesregierungen mitverfolgt.

Um seine Wissenslücken zu schließen und sich einen Eindruck über die unterschiedlich innovativen Ideen für die Zukunft unseres Landes zu verschaffen, kann man sich, wenn man es genau wissen will, das jeweilige Wahlprogramm der Parteien in der engeren Auswahl zu Gemüte führen. Dieses kann heutzutage durchaus eine Seitenzahl im dreistelligen Bereich aufweisen. Ob dies dazu dient, den wirklich interessierten Wähler bis ins letzte Detail zu informieren, oder die Menschen davon abzuschrecken, das Programm überhaupt zu lesen, sei dahingestellt. So oder so wird man sich wohl, selbst wenn man sich zum Lesen entschieden hat, auf die für einen persönlich wichtigsten Themen beschränken.

Nun stolperte ich neulich, nicht beim Lesen des tatsächlichen Wahlprogramms, sondern dank eines Artikels im Standard, über eine meiner Meinung nach äußerst problematische Passage im Wahlprogramm der FPÖ. Da heißt es, man wolle eine „Meldestelle“ einrichten, bei der Lehrkräfte quasi angezeigt werden könnten, wenn sie in ihrem Unterricht „politisieren“. Was genau das heißen soll, bleibt im Artikel erst einmal der eigenen Phantasie überlassen. Von einer Partei kommend, die den menschengemachten Klimawandel und die medizinische Wirkung von Impfungen als (politische?) Meinung bezeichnet und sich hier oft neutralere Formulierungen wünscht, als wären beides nicht wissenschaftlich fundierte Tatsachen, wird der Phantasie allerdings nicht langweilig.

Was mich viel mehr schockiert hat als diese Forderung, waren die Reaktionen im Kommentarbereich. Nicht etwa die Alarmglocken schrillen hier, im Gegenteil, Wellen der Zustimmung schlagen einem entgegen. Ganz richtig sei das, meinen viele, Parteiwerbung habe im Unterricht nichts verloren. Ein Lehrer habe nicht Stimmung für oder gegen eine bestimmte Partei zu machen. Bin ich paranoid? Geht es wirklich nur darum?

Dass ich mich als Lehrer nicht wertend zu spezifische Parteien äußern darf, das ist mir natürlich bewusst, das finde ich so, wie offenbar auch der größte Teil der Standard-Community, auch ganz richtig. Nur ist das eben jetzt schon so. Auch gibt es durchaus Stellen, an die man sich mit einer Beschwerde wenden kann, wenn sich ein Lehrer an diese Regel nicht hält. Das wäre nämlich der jeweilige Direktor oder in höherer Instanz die verantwortliche Bildungsdirektion. Was also wäre die Aufgabe der eingangs erwähnten Meldestelle? Wem wäre sie unterstellt? Es bleiben viele Fragen offen, das leichte Unbehagen besteht nach wie vor.

Nun ist ja bekanntermaßen der Standard nicht die objektivste Tageszeitung der österreichischen Medienlandschaft. Um sich ein möglichst unvoreingenommenes Bild zu machen, komme ich um das tatsächliche Parteiprogramm also nicht herum. Denn ich möchte es genau wissen. Mit dem Stichwort „Meldestelle“ findet man schnell die gesuchte Passage. Hier heißt es, immer häufiger würden „Lehrer ihre Tätigkeit für die politische Beeinflussung, zumeist in Richtung des linken Mainstreams“ missbrauchen. Im nächsten Satz wird dann die besagte Meldestelle gefordert.

Mein Gefühl, dass es hier nicht darum geht, Parteireklame im Unterricht zu verhindern, hat sich also bestätigt. Worum es wirklich geht, kann man sich nach dem Studium der Absätze davor, in denen es ebenfalls um Schule geht, zusammenreimen. Hier ist die Rede davon, wie furchtbar es doch sei, mit Kindern über Geschlechteridentität zu sprechen, dass es Kinder verunsichere, zu erfahren, das Transsexualität existiert, dass quasi alles was „woke“ ist, aus der Schule verbannt gehöre. Darum geht es also.

Mir kommt das alles seltsam bekannt vor und ich werfe einen verstolenen Blick auf Ungarn. Dort gibt es bereits ein Gesetz, dass es verbietet, in Schulen über LGBT-Themen zu sprechen. Ebenfalls ist es verboten, Transsexuelle oder auch Homosexuelle als normale Menschen darzustellen. Wäre das bei uns unter einer FPÖ-Regierung dann noch erlaubt, oder könnte man mich, wenn ich beispielsweise von meinen Schülern Toleranz gegenüber ihren Mitschülern einfordere, ungeachtet deren sexueller Orientierung, bereits dafür bei der Meldestelle anzeigen?

Der Vergleich mit Ungarn ist kein Zufall, die Nähe der FPÖ zu Orbán kein Geheimnis. Dass der ungarische Staatschef für den selbsternannten Volkskanzler Kickl in vielerlei Hinsicht ein Vorbild ist, braucht man auch nicht zu erfinden, das hat dieser selbst bereits wiederholt kundgetan.

Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Das mulmige Gefühl begründet sich nicht länger auf einer vagen Ahnung, es entspringt keiner paranoiden Anwandlung, sondern fußt auf dem offiziellen Wahlprogramm der Partei, in Kombination mit von deren Mitgliedern öffentlich getätigten Aussagen.

Meine Gedanken wandern zurück zum Forum. Was mich nach wie vor erschüttert ist, wie viele Menschen sich all diese Gedanken nicht nur nicht machen, sondern nicht einmal auf die Idee kommen, dass man sich hier Gedanken machen könnte. Dass es Menschen gibt, die eine derartige Forderung sehr wohl in dem Wissen unterschreiben würden, was sie beinhaltet, das ist mir bewusst. Aber wie viele Menschen hier blind zustimmen in dem naiven Glauben, etwas völlig anderes sei gemeint, einem Panikmache unterstellen wenn man etwas suggeriert, dessen Wahrheitsgehalt sich ganz einfach überprüfen lässt, das lässt mich doch einigermaßen sprachlos zurück.

In diesem Sinne sage ich auch garnicht mehr und lasse meine Gedanken so im Raum stehen. Nur eines noch, politisierend hin oder her, in meinem Unterricht wird Toleranz und Respekt propagiert, dazu stehe ich, das ist gemäß Lehrplan sogar Teil meines gesetzlichen Bildungsauftrags. Und ich hoffe, dass das auch weiterhin so bleibt.

Bewegung im Untergrund

Fotografie

Dieses Foto entstand spontan in einer Unterführung im dritten Wiener Gemeindebezirk. Das Bild profitiert von dem extremen Breitbildformat des Smartphones, von allen vier Ecken laufen die Begrenzungen  des Tunnels in Richtung des mittigen Fluchtpunkts.

Zunächst war das Foto ohne Personen gedacht, das Kind lief bei der zweiten Aufnahme zufällig durchs Bild. Die Bewegung  erzeugt einen starken Kontrast zu den starren Mauern, was dem Bild einen interessanten Akzent verleiht und es dadurch aufwertet.

Das Foto wurde mit dem Samsung Galaxy S22 Ultra aufgenommen.

Urlaub ohne Kamera

Fotografie, Reisen

Einmal probeweise nur mit der Handykamera in den Urlaub zu fahren, entpuppte sich als durchaus erfolgreiches Experiment. Ja, natürlich macht das Fotografieren mit Profiauarüstung einfach mehr Spaß. Aber einfach nur schnell mit einem geübten Handgriff das Handy aus der Hosentasche fischen zu müssen, wenn man ein Foto machen möchte, ist vor allem, wenn man nicht alleine unterwegs ist, durchaus praktisch. Außerdem hat man ja, insbesondere mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau, ohnehin auch ohne Kameratasche schon genug zu schleppen – durchaus auch mal besagte Kinder.

Mein Handy ist ein Samsung Galaxy S22 Ultra und verfügt über durchaus ordentliche Kameras. Im Gegensatz zu anderen Handykameras bleibt die Bildqualität auch beim Zoomen brauchbar. Dabei wird, zoomt man erst im Zuge des Zuschneidens im Nachhinein, sogar angeboten, a la CSI die Auflösung nachträglich zu erhöhen. Des Weiteren verfügt das Gerät über die bereits zum Standard gewordene Weitwinkelfunktion. Darüber hinaus wird zur Bearbeitung der Bilder ein ganz nettes KI-Feature angeboten, dass ich bereits in einem anderen Beitrag kurz vorgestellt habe (siehe hier).

Es folgt nun eine Auswahl an Fotos, die im Urlaub am Walchsee in Tirol entstanden sind.

Der Objektradierer von Samsung

Fotografie

Im letzten Urlaub habe ich das Experiment gewagt, die Kamera daheim zu lassen und nur mit dem Handy zu fotografieren. Immerhin hatte ich ja extra in ein Telefon mit angeblich ausgezeichneter Kamera investiert. Es handelt sich um das Samsung Galaxy S22 Ultra, nicht das neueste Modell, aber fast.

Sehr neugierig war ich sofort auf die neuen AI-Funktionen, die Samsung mit dem neuesten Firmware-Update anbietet. Als erstes habe ich den sogenannten Objektradierer ausprobiert. Angeblich kann man störende Objekte aus aufgenommenen Fotos einfach entfernen. Skeptisch war ich ja schon und tatsächlich müssen die Bedingungen optimal sein, damit das ganze tatsächlich funktioniert.

Als erstes habe ich meine Tochter als Versuchsobjekt missbraucht, die ich vor einem Busch platzierte, dahinter Rasen. Das Auswählen des Objekts „Kind“ hat sehr gut funktioniert. Als ich das selbe allerdings später mit einer kleinen Hütte probiert habe, wurde es mühsam. Anstatt das Gebäude entlang der Außenkonturen zu markieren, wurden immer nur einzelne Türen oder Wände ausgewählt und ich fand keine Möglichkeit,  die Markierung auszuweiten.

Dann habe ich versucht, das Kind aus dem Bild zu entfernen. Erwartungsgemäß konnte die KI den Rasen, sowie den Himmel relativ gut extrapolieren. Beim Busch gelang dies allerdings überhaupt nicht, man kann bereits auf den ersten Blick ganz eindeutig erkennen, dass hier eine mittelmäßige KI am Werk war, das computergenerierte Bild enthält am unteren Rand des Busches einenseltsamen Auswuchs, wie man ihn auch von anderen KI-Bildern kennt.

Was für mich allerdings sehr unerwartet kam war, dass die KI mein Kind nicht einfach aus dem Foto entfernt, sondern durch einen Holzpflock ersetzt hat.

Später, beim Durchsehen und Sortieren der Fotos nach dem Urlaub, fand ich dann aber doch noch eine nützliche Einsatzmöglichkeit für den Objektradierer. Bei einer Landschaftsaufnahme ist mir scheinbar genau beim Auslösen ein Insekt vor die Linse geflogen. Da sich das störende Objekt genau vor dem blauen, beinahe wolkenlos Himmel befand, ließ es sich tatsächlich mit nur zwei Handgriffen entfernen. Von der Manipulation  ahnt man auch bei genauerem Hinschauen nichts.

In Summe ist die neue Funktion also nicht bahnbrechend, aber durchaus in einigen Situationen nützlich – wenn die Umstände günstig sind.