Wer bin ich, wenn ihr alles seid?

Dies und das

Beim Durchstöbern meiner alten Notiz- und Tagebücher aus der Schulzeit ist mir vor Allem eines aufgefallen – irgendwann habe ich, ohne es richtig zu merken, meinen Platz gefunden. Ich habe mich getarnt als ein Puzzle-teil, das passt. Warum es nur eine Tarnung ist? Weil ich eigentlich nie jemand sein wollte, der einfach hineinpasst.

Nun habe ich beim Lesen meiner Aufzeichnungen von damals, in denen es zu großen Teilen darum ging, was für ein Mensch ich sein möchte (wie es eben in diesem Lebensabschnitt so ist), einen Satz immer wieder gefunden. In alten Briefen, eMails und Geburtstagskarten von Familie, Freunden, Lehrern. “Bleib, wie du bist.”
Scheinbar war ich damals in den Augen der Anderen bereits ein Mensch, der man sein kann. Warum also dennoch dieses Suchen, dieses Streben nach Entwicklung? Eine Antwort darauf fand ich in einem meiner Deutsch-Aufsätze: Menschen verstecken sich hinter den falschen Vorstellungen anderer Menschen. Wir sind schon zufrieden, wenn andere etwas in uns sehen, egal wie weit entfernt es von der Wirklichkeit ist. Aber mir war das nie genug. Ich möchte in den Spiegel schauen und selbst etwas in mir sehen. Und was für ein Mensch es ist, den ich sehen möchte, dass ist es, was ich in diesem Abschnitt meines Lebens versucht habe, herauszufinden. Viele Menschen sind zu feige, um in den Spiegel zu schauen, das ist es, was ich damals mit diesem Satz gemeint habe.

Ich fand, diese Gedanken passen recht gut zum neuen Jahr, das morgen beginnt, deshalb habe ich sie hier niedergeschrieben, ich hoffe, sie regen auch andere etwas zum Nachdenken an.

Guten Rutsch!

Die Seestadt

Fotografie

Seestadt, das neueste Bauprojekt am Rande des schönen Wiens.

Aus dem Nichts sollen bis 2016 tausende Wohnungen, Geschäfte, Bürogebäude und Schulen gebaut und fertiggestellt werden. Die „Seestadt“ soll in den nächsten 20 Jahren noch weiter wachsen und Menschen aller Klassen, Berufe und Bildungsstufen zusammenbringen. Die Idee dahinter ist die Schaffung eines sozialen Mixes, der das Entstehen von Slums einerseits oder Vierteln mit ausschließlich wohlhabenden Einwohnern andererseits verhindern soll.

Ein anderer Ansatz zu dieser Idee, der bereits in den 1920er Jahren in Wien vorangetrieben wurde und bisher recht gut funktioniert, ist die Verteilung von Wohnblöcken in der ganzen Stadt, sogenannter Gemeindebauten, in denen Menschen mit niedrigem Einkommen Wohnungen sehr billig und städtisch gefördert mieten können.

Der Luxus des Kostenlosen

Dies und das

Neulich lud ich mir eine App herunter (Die App heißt Time Tracker by DualHalf und man kann damit stoppen, wie viel Zeit man mit einer bestimmten Tätigkeit verbringt. Ich bin sehr zufrieden damit). Diese App ist vollkommen kostenlos und sogar werbefrei. Nur für eine zusätzliche Funktion, nämlich das nachträgliche Ändern der Messungen, muss man einmalig einen Betrag in der Größenordnung von einem Euro bezahlen.
Warum erzähle ich diese langweilige Geschichte? Weil ich eine Bewertung zu dieser App gelesen habe, die mich wieder einmal auf eine Sache aufmerksam gemacht hat, die mir schon seit Monaten auf der Leber sitzt – wir sind zu verwöhnt. In dieser Bewertung nämlich beschwert sich ein User, dass er für diese (wichtige aber nicht notwendige) Zusatzfunktion bezahlen müsse. Er beschwert sich, dass die App nicht vollkommen kostenlos ist.

Und das ist genau der Punkt – wir sind es bereits so gewöhnt, Dinge gratis zu bekommen, dass wir unzufrieden sind, wenn wir für etwas bezahlen müssen. Man muss das wirklich setzen lassen. Nicht genug damit, dass wir hier in Europa im Luxus geradezu untergehen, wir verlangen auch noch, dass dieser Luxus uns nichts kosten soll.

Warum ist das in meinen Augen so ein Problem? Weil ich der Meinung bin, dass Dinge, für die wir nichts bezahlen müssen, für uns weniger Wert sind. Man schaue sich nur das riesige Angebot an kostenlosen eBooks an. Wer denk schon beim Herunterladen daran, dass hinter diesem Buch vielleicht um die hundert Arbeitsstunden stecken, vielleicht wesentlich mehr? Der Mensch, der oben genannte Bewertung geschrieben hat, denkt offensichtlich nicht daran, dass auch hinter dem Programmieren einer App ein gewisser Arbeitsaufwand steckt. Mal ganz ehrlich – welcher berufstätige Mensch wäre schon begeistert, wenn er seine Arbeit plötzlich umsonst machen sollte? Trotzdem gibt es zahlreiche Gruppierungen, die sogar verlangen, Medien, die online verfügbar sind, sollten allgemein gratis sein. Das würde bedeuten, dass viele Autoren, Musiker, Filmproduzenten und Schauspieler, zum Nulltarif arbeiten müssten. Und ganz ehrlich – warum sollten sie?
Wir sind es so gewohnt, Nachrichten online gratis zu lesen, dass wir einen Aufstand machen, wenn eine Zeitung für ihre Online-Variante Geld verlangt. Dabei vergessen wir, dass irgendjemand die Artikel schreiben muss (gleichzeitig beschweren wir uns aber auch über die Werbung auf all den gratis Nachrichten-Seiten).

Es geht aber nicht nur um das Internet. Man überlege sich doch bitte einmal den Wert einiger Dinge, die uns kaum etwas kosten.

Wie viel kostet ein Glas Wasser? Eine Frage, die wir uns in Österreich ehrlich  nicht zu stellen brauchen, bekommen wir doch ganze 1000 Liter Wasser um weniger als 2€. Damit kommen wir statistisch gesehen etwa eine Woche aus. Doch ist Wasser tatsächlich so wenig wert? Immerhin sterben wir nach drei bis vier Tagen, wenn wir keines haben. Wie viel wären wir wohl bereit, für ein Glas Wasser zu zahlen, wenn wir kurz vor dem Verdursten wären?

Was wäre die Welt ohne Musik? Auch die kostet nämlich so gut wie nichts mehr, hat man beispielsweise ein Abo bei Spotify oder einem ähnlichen Service – von den illegalen Downloads ganz zu schweigen. Trotzdem ist für mich gute Musik eines der wertvollsten Dinge auf der Welt, weshalb ich wohl einer der letzten Menschen bin, die zusätzlich zu ihrem google music Abo noch hin und wieder die ein oder andere CD erwerben. Ich zahle gerne den vollen Preis, weil ich zeigen möchte, dass die Musik mir das wert ist.

Nun gut, ich höre jetzt wieder auf, denn wer bis hier gelesen hat, hat ohnehin schon meinen größten Respekt. Trotzdem möchte ich dazu anregen, die Liste im Kopf weiterzuführen, denn im Grunde haben wir so viel mehr, als uns bewusst ist und ab und zu sollten wir uns einfach nur zurücklehnen und dafür sehr, sehr dankbar sein.

Spuren und Wege

Dies und das

Wir alle haben diese Wege, die wir wieder und wieder entlanggehen. Wir wählen die selben Routen ein ums andere Mal, bis sie uns zur Gewohnheit werden. Ist es einmal so weit, fühlen wir uns sofort unwohl, sollten wir uns doch gelegentlich für eine alternative Route entscheiden. Jahrelang bin ich von der Straßenbahn jeden Tag auf der selben Straßenseite Heim gegangen. Als ich einmal beschloss, zur Abwechslung einmal auf der anderen Straßenseite zu gehen, hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, zu meinem üblichen Weg zurückgezogen zu werden. Das liegt wohl daran, dass wir – genauso, wie wir auf einer Wiese einen deutlich sichtbaren Pfad formen würden, wenn wir immer und immer wieder den selben Weg gehen – auch in unserem Leben solche Pfade treten. Gehen wir auf ihnen oft genug, formen sie sich zu tiefen Furchen, die uns auf unseren gewohnten Weg hinunterziehen, sobald wir – gewollt oder ungewollt – davon abkommen .

Es sind nicht nur die Pfade, die wir mit unseren Füßen, sondern auch die, die wir mit unseren Gedanken gehen, die schwer zu ändern sind, wenn wir einen bestimmten Weg das ein oder andere Mal zu oft gegangen sind. Gedanken können frei sein, doch nur, wenn wir sie ab und zu von den gewohnten Bahnen abschweifen lassen. Allzu schnell finden wir uns sonst in einer geistigen Sturheit wieder, die nur schwer wieder zu lösen ist.

Während wir auf unseren Pfaden wandeln, hinterlassen wir auch alle arten von Spuren – in unserem eigenen Leben, aber auch im Leben anderer Menschen. Wir tendieren dazu, das zu vergessen. Doch auch wenn wir es gar nicht wollen, so hat doch alles was wir tun Einfluss auf die Menschen um uns herum. Wie wir uns diesen Menschen gegenüber verhalten, wird für immer Teil ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sein. Es kann sogar passieren, dass jemand völlig fremdes über eine unserer Spuren stolpert, die wir vor kurzer oder auch langer Zeit zurückgelassen haben. VIelleicht fällt er darüber, vielleicht ist er verletzt, es ist möglich, dass wir es nicht einmal jemals erfahren. Deshalb sollten wir jeden unserer Wege vorsichtig beschreiten. Wir sollten sogar ab und zu einen längeren Blick zurück werfen.

Song Contest? Mir Wurst!

Dies und das

Österreich hat also den Song Contest gewonnen. Als ich das hörte, war ich erst erstaunt, dann ein wenig beglückt. Im Endeffekt relativ indifferent. Aus Langeweile las ich einige Kommentare im Internet – immer ein Fehler, aber doch ab und zu recht amüsant.

Nun gut, aus dem Drang heraus, auch einmal zu einem aktuellen Thema meinen Senf zu geben, hier mein Senf:

Ist der Sieg von Conchita Wurst ein Statement?
Ja, ich denke doch. Er hat gezeigt, dass man einen derartigen Wettbewerb gewinnen kann, auch wenn man sich nicht an gängige Konventionen hält. Noch vor einigen Jahrzehnten – vielleicht sogar Jahren – wäre das kaum möglich gewesen und ich halte das für eine sehr positive Entwicklung.

War der Antritt Conchitas eine Anti-Putin-Aktion?
Wohl kaum. Um ehrlich zu sein, bin ich schon allein über die Idee sehr verwundert. Erstens müsste man dem Song Contest eine wesentlich größere Bedeutung zumessen, als er jemals haben wird, um dieses Argument überhaupt bringen zu können. Als zweites muss man sich vor Augen führen, dass Österreich 2012 mit dem Lied „Woki mit deim Popo“ zum Song Contest antreten wollte. So viel Überlegung kann also hinter der Auswahl der Kandidaten schon von vorn herein nicht stecken.
Zu guter letzt kann man sich natürlich noch fragen,welchen Grund Österreich hätte, Russland provozieren zu wollen bzw warum ganz Europa für Österreich hätte stimmen sollen, um Russland eins auszuwischen. Da wäre doch zB die Ukraine naheliegender gewesen. Aber bitte.

Wie wird Österreichs Sieg die österreichische Musiklandschaft beeinflussen?
Wahrscheinlich gar nicht. Andere Interpreten werden nicht plötzlich besser, nur weil eine Österreicherin den Song Contest gewonnen hat. Sie werden auch nicht schlechter. Und es werden sich auch weder plötzlich alle Männer Frauenkleider anziehen, noch alle Frauen sich Bärte wachsen lassen – wer das wollte, konnte es auch bisher schon tun. Wir werden allerdings in den nächsten Tagen bestimmt mehr österreichische Musik im Radio zu hören bekommen – weil der Siegersong etwa stündlich gespielt wird.

Wird in einer Woche noch irgendjemand davon reden?
Schwer zu sagen, ich habe meinen Blogeintrag zur Sicherheit schon heute verfasst, weil ich mich nicht darauf verlassen würde.

PS: Ich fand es nicht in Ordnung, die Teilnehmerinnen aus Russland schon beim Halbfinale auszubuhen, das muss für einen Künstler schrecklich sein und womit haben die das verdient? Aber gut, wir reden hier offensichtlich von Menschen, die denken, der Song Contest wäre von internationaler Wichtigkeit, also lassen wir das.

So, das war mein Senf zu alldem und morgen werde zumindest ich schon nicht mehr davon sprechen.

Blogs und Schuhfotos

Dies und das

“Haben Sie gerade Ihre Schuhe fotografiert?” hat mich neulich niemand gefragt. Ich habe mir allerdings vorgestellt, dass es mich jemand gefragt hätte. Die Frage wäre berechtigt gewesen. Ja, ich habe gerade meine Schuhe fotografiert. Warum? Das weiß keiner so genau. Doch Schuhfotos haben Tradition. Schon als ich noch in die Schule ging haben wir gerne unsere Füße aneinandergereiht und sie fotografiert, je mehr umso lustiger. Und jetzt sehe ich sie bei meinen Schülern auf Instagram – genau die gleichen Schuhfotos. Man merkt nicht, dass zehn Jahre vergangen sind, selbst die Marken sind die gleichen. Warum tun wir das alle? Eine Theorie wäre, dass man seine Schuhe so schön unauffällig unter dem Tisch fotografieren kann. Eine andere, dass man in Wahrheit gerade tatsächlich nichts Besseres zum Fotografieren hat. Dieses Foto hier oben, das ich in der U-Bahn aus purer Langeweile aufgenommen habe, ist nicht einmal ein gutes Foto. Muss es auch nicht sein, hat man mir gesagt, wenn es für Instagram ist. Stimmt wohl. Naja, ich bin jedenfalls gespannt, ob der Trend sich auch die nächsten zehn Jahre hält.

Und nun zu einem ganz anderen Thema: Brauche ich diesen Blog? Wahrscheinlich nicht. Aber ganz ehrlich – braucht irgendjemand einen? Nun, jeder hat einen – aber das beantwortet genau genommen die Frage nicht. Doch es hat tatsächlich jeder einen. Selbst bei Tipps für das erste eigene Buch steht oft ganz oben: “Nehmen Sie einfach Ihren Blog und machen Sie ein Buch daraus.” Na schön, warum nicht, schlimmer als “Feuchtgebiete” kann es ja nicht mehr werden. Dennoch stehe ich der ganzen Bloggerei nach wie vor etwa skeptisch gegenüber. Ich meine – wen interessiert das? Hat dieser Text hier gerade irgendjemanden interessiert? Würde jemand Geld dafür zahlen, es in einem Buch zu lesen? Wenn ja, na dann hält mich nichts mehr auf.