Der Luxus des Kostenlosen

Dies und das

Neulich lud ich mir eine App herunter (Die App heißt Time Tracker by DualHalf und man kann damit stoppen, wie viel Zeit man mit einer bestimmten Tätigkeit verbringt. Ich bin sehr zufrieden damit). Diese App ist vollkommen kostenlos und sogar werbefrei. Nur für eine zusätzliche Funktion, nämlich das nachträgliche Ändern der Messungen, muss man einmalig einen Betrag in der Größenordnung von einem Euro bezahlen.
Warum erzähle ich diese langweilige Geschichte? Weil ich eine Bewertung zu dieser App gelesen habe, die mich wieder einmal auf eine Sache aufmerksam gemacht hat, die mir schon seit Monaten auf der Leber sitzt – wir sind zu verwöhnt. In dieser Bewertung nämlich beschwert sich ein User, dass er für diese (wichtige aber nicht notwendige) Zusatzfunktion bezahlen müsse. Er beschwert sich, dass die App nicht vollkommen kostenlos ist.

Und das ist genau der Punkt – wir sind es bereits so gewöhnt, Dinge gratis zu bekommen, dass wir unzufrieden sind, wenn wir für etwas bezahlen müssen. Man muss das wirklich setzen lassen. Nicht genug damit, dass wir hier in Europa im Luxus geradezu untergehen, wir verlangen auch noch, dass dieser Luxus uns nichts kosten soll.

Warum ist das in meinen Augen so ein Problem? Weil ich der Meinung bin, dass Dinge, für die wir nichts bezahlen müssen, für uns weniger Wert sind. Man schaue sich nur das riesige Angebot an kostenlosen eBooks an. Wer denk schon beim Herunterladen daran, dass hinter diesem Buch vielleicht um die hundert Arbeitsstunden stecken, vielleicht wesentlich mehr? Der Mensch, der oben genannte Bewertung geschrieben hat, denkt offensichtlich nicht daran, dass auch hinter dem Programmieren einer App ein gewisser Arbeitsaufwand steckt. Mal ganz ehrlich – welcher berufstätige Mensch wäre schon begeistert, wenn er seine Arbeit plötzlich umsonst machen sollte? Trotzdem gibt es zahlreiche Gruppierungen, die sogar verlangen, Medien, die online verfügbar sind, sollten allgemein gratis sein. Das würde bedeuten, dass viele Autoren, Musiker, Filmproduzenten und Schauspieler, zum Nulltarif arbeiten müssten. Und ganz ehrlich – warum sollten sie?
Wir sind es so gewohnt, Nachrichten online gratis zu lesen, dass wir einen Aufstand machen, wenn eine Zeitung für ihre Online-Variante Geld verlangt. Dabei vergessen wir, dass irgendjemand die Artikel schreiben muss (gleichzeitig beschweren wir uns aber auch über die Werbung auf all den gratis Nachrichten-Seiten).

Es geht aber nicht nur um das Internet. Man überlege sich doch bitte einmal den Wert einiger Dinge, die uns kaum etwas kosten.

Wie viel kostet ein Glas Wasser? Eine Frage, die wir uns in Österreich ehrlich  nicht zu stellen brauchen, bekommen wir doch ganze 1000 Liter Wasser um weniger als 2€. Damit kommen wir statistisch gesehen etwa eine Woche aus. Doch ist Wasser tatsächlich so wenig wert? Immerhin sterben wir nach drei bis vier Tagen, wenn wir keines haben. Wie viel wären wir wohl bereit, für ein Glas Wasser zu zahlen, wenn wir kurz vor dem Verdursten wären?

Was wäre die Welt ohne Musik? Auch die kostet nämlich so gut wie nichts mehr, hat man beispielsweise ein Abo bei Spotify oder einem ähnlichen Service – von den illegalen Downloads ganz zu schweigen. Trotzdem ist für mich gute Musik eines der wertvollsten Dinge auf der Welt, weshalb ich wohl einer der letzten Menschen bin, die zusätzlich zu ihrem google music Abo noch hin und wieder die ein oder andere CD erwerben. Ich zahle gerne den vollen Preis, weil ich zeigen möchte, dass die Musik mir das wert ist.

Nun gut, ich höre jetzt wieder auf, denn wer bis hier gelesen hat, hat ohnehin schon meinen größten Respekt. Trotzdem möchte ich dazu anregen, die Liste im Kopf weiterzuführen, denn im Grunde haben wir so viel mehr, als uns bewusst ist und ab und zu sollten wir uns einfach nur zurücklehnen und dafür sehr, sehr dankbar sein.

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