Spuren und Wege

Dies und das

Wir alle haben diese Wege, die wir wieder und wieder entlanggehen. Wir wählen die selben Routen ein ums andere Mal, bis sie uns zur Gewohnheit werden. Ist es einmal so weit, fühlen wir uns sofort unwohl, sollten wir uns doch gelegentlich für eine alternative Route entscheiden. Jahrelang bin ich von der Straßenbahn jeden Tag auf der selben Straßenseite Heim gegangen. Als ich einmal beschloss, zur Abwechslung einmal auf der anderen Straßenseite zu gehen, hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, zu meinem üblichen Weg zurückgezogen zu werden. Das liegt wohl daran, dass wir – genauso, wie wir auf einer Wiese einen deutlich sichtbaren Pfad formen würden, wenn wir immer und immer wieder den selben Weg gehen – auch in unserem Leben solche Pfade treten. Gehen wir auf ihnen oft genug, formen sie sich zu tiefen Furchen, die uns auf unseren gewohnten Weg hinunterziehen, sobald wir – gewollt oder ungewollt – davon abkommen .

Es sind nicht nur die Pfade, die wir mit unseren Füßen, sondern auch die, die wir mit unseren Gedanken gehen, die schwer zu ändern sind, wenn wir einen bestimmten Weg das ein oder andere Mal zu oft gegangen sind. Gedanken können frei sein, doch nur, wenn wir sie ab und zu von den gewohnten Bahnen abschweifen lassen. Allzu schnell finden wir uns sonst in einer geistigen Sturheit wieder, die nur schwer wieder zu lösen ist.

Während wir auf unseren Pfaden wandeln, hinterlassen wir auch alle arten von Spuren – in unserem eigenen Leben, aber auch im Leben anderer Menschen. Wir tendieren dazu, das zu vergessen. Doch auch wenn wir es gar nicht wollen, so hat doch alles was wir tun Einfluss auf die Menschen um uns herum. Wie wir uns diesen Menschen gegenüber verhalten, wird für immer Teil ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sein. Es kann sogar passieren, dass jemand völlig fremdes über eine unserer Spuren stolpert, die wir vor kurzer oder auch langer Zeit zurückgelassen haben. VIelleicht fällt er darüber, vielleicht ist er verletzt, es ist möglich, dass wir es nicht einmal jemals erfahren. Deshalb sollten wir jeden unserer Wege vorsichtig beschreiten. Wir sollten sogar ab und zu einen längeren Blick zurück werfen.

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