Mit Radanhänger um den Ring

Dies und das, Fotografie, Reisen

Ich bin ja ein Freund der längerfristigen Projekte und als solcher habe ich mir in den Kopf gesetzt, alle Radtouren aus meinem neuen Buch „Radregion Rund um Wien“ auszutesten – der Reihe nach und mit Fahrradanhänger.

Tatsächlich gibt es zwar zahlreiche Bücher, Websites und Blogs zum Thema Radfahren, wie es allerdings aussieht, wenn man als Familie mit Anhänger unterwegs ist, darüber lässt sich schon schwerer etwas finden. Das fängt damit an, dass nicht immer ersichtlich ist, ob ein Weg mit Anhänger überhaupt sinnvoll befahrbar ist, geht aber auch so weit, dass es unmöglich ist, herauszufinden, in welchen Zügen man zusätzlich zu den Fahrrädern auch einen Anhänger transportieren darf, das lässt sich nämlich laut Website der ÖBB nur beim Schalter erfragen.

Die erste Route in dem Buch lässt sich noch recht unkompliziert bewerkstelligen. Es handelt sich um eine Route einmal rund um den Ring. Nun gibt es zwar um den gesamten Ring einen gut ausgebauten Radweg. Wie einfach es ist, überhaupt zum Ring zu kommen, hängt allerdings stark davon ab, aus welcher Richtung man kommt. Ich kam über die Reichsbrücke, hatte bis zum Praterstern einen sehr angenehmen Weg. Dann geriet ich allerdings in eine riesige Baustelle, was in der Wiener Innenstadt nun mal keine Seltenheit ist. Zum Glück fahre ich mittlerweile auch im Verkehr recht entspannt, seit ich festgestellt habe, dass die Mähr vom grantigen Autofahrer eben nur das ist – eine Geschichte. Wiener sind allgemein grantig, im Auto aber auch nicht mehr als sonst.

Am Ring angekommen ging dann alles reibungslos. Ich fahre ja sehr gerne am Ring Rad, man muss nur den Verkehr ausblenden, der leider je nach Wochentag und Uhrzeit doch sehr stark ausfallen kann. Abgesehen vom Autolärm ist der Ring aber jedenfalls groß genug für alle. Neben den Autos haben Straßenbahnen, Radfahrer, Jogger und natürlich Spaziergänger Platz. Die Wiener Ringstraße ist eine Straße für alle.

Immer wieder kreuzen die für die Wiener Innenstadt typischen Fiaker den Ring. Das ist schon etwas ganz eigenes, wenn man an der roten Ampel steht und darauf wartet, dass das Pferd die Straße überquert. Die Kutschen sind zwar kein wirkliches Verkehrsmittel, sondern ein Sightseeing-Angebot für Touristen, sie sind dennoch ein gewohnter Teil des Stadtbildes.

Für seine gerade mal 5km zeigt sich der Ring als durchaus abwechslungsreiche Strecke. Während man auf dem Abschnitt zwischen Urania und Karlsplatz so richtig das Gefühl hat, durch die Stadt zu fahren, mit vielen Ampeln, hohen Häusern und allem, was dazugehört, öffnet sich der Ring dann nach rechts zum Burggarten, links zum Maria-Theresien-Platz zwischen den großen Museen, rechts zum Volksgarten, links zum Rathauspark. Das Gefühl lautet eher Außenbezirk als Innere Stadt. Schließlich erreicht man über den Schottenring den Franz-Josefs-Kai. Und wieder ist das Flair ein völlig anderes. Der Donaukanal ist mit seinen weitläufigen Graffiti-Wänden und dem gut ausgebauten Fuß-/Radweg ein Stück Wien, dem jeder Tourist einen Besuch abstatten sollte. Bei schönem Wetter kann man hier herrlich das Wasser entlang spazieren und sich auf einer der zahlreichen Bänke oder auch direkt im Gras eine Pause gönnen.

Alles in Allem hat die Tour gut funktioniert. Für sich genommen ist sie natürlich kurz, bietet sich aber als Abstecher an, falls man ohnehin durch die Stadt muss. Selbst in einem gemütlichen Tempo schafft man es in 30 bis 45 Minuten einmal rundherum. Wenn man dazwischen Fotopausen einplant, ist man mit der Ring-Route eine gute Stunde beschäftigt und hat in dieser kurzen Zeit zahlreiche Facetten der Stadt Wien gesehen. Auch der Anhänger stellte auf den gut ausgebauten Radwegen kein Hindernis dar.

Kürbisfest in Retz

Dies und das, Fotografie

Ich habe Kürbisfeste ja aus meiner Kindheit als etwas in Erinnerung, wo man durch einen Ort spaziert und auf jeder Bank sitzen Strohpuppen mit Kürbiskopf, geschnitzte Kürbisse liegen in allen Vorgärten, alles ist einfach voller Kürbisse und nett dekoriert und ab und zu gibt es dann auch irgendwo eine Kürbiscremesuppe. Vor Allem wurde alles von den Ortsansässigen organisiert. Jeder hatte damals einfach seinen eigenen Vorgarten dekoriert, dabei gab es immer wieder etwas zum Schmunzeln oder Staunen, weil jedes Haus anders aussah und es an jeder Ecke etwas zu entdecken gab.

Neu ist mir das Konzept, dass man durch eine karge, fast schon sterile Stadt in die Richtung geht, in die halt alle gehen, bis man zu einem fetten blauen Uniqa-Bogen kommt, wo man dann 8€ Eintritt bezahlt, um schließlich in einen eingezäunten Bereich geschleust zu werden, in dem es zwar auch ein paar Kürbisse, aber hauptsächlich Verkaufsstände gibt.

Man bezahlt also de facto Eintritt dafür, dass man dann bei verschiedenen Ständen Verschiedenes kaufen kann. Dabei haben die meisten Stände nicht einmal etwas mit Kürbissen zu tun. Die meisten davon kommen mir sogar recht bekannt vor, habe ich sie (oder ähnliche) doch auch schon bei anderen Veranstaltungen gesehen, die ebenfalls nichts mit Kürbissen zu tun haben. Lokale Betreiber habe ich eigentlich keine ausfindig machen können. All diese Verkäufer sind von irgendwoher angereist, um hier dieselben Dinge zu verkaufen, die sie wohl auch schon bei Mittelalterfesten, Oster- und Weihnachtsmärkten verkauft haben.

Man findet die typischen Holzartikel, gerade im Trend sind außerdem Hauben und Socken aus Alpaka-Wolle, diese bunten Reibeteller für Knoblauch gibt es auch, genauso wie Lederwaren. Von den meisten Ständen gibt es in exakt derselben Ausführung sogar mindestens zwei. Dann gibt es natürlich noch zahlreiche Buden mit Speis und Trank, wenn man Glück hat, ist sogar etwas kürbishaltiges dabei, sozusagen pro forma. Hungrig bleibt man zugegebenermaßen nicht, vorausgesetzt man hat genügend Geld in der Tasche.

Wer auf seine Kosten kommt, ist unsere Tochter. Trampolin, Karussell und Schminkzelt. Wer jetzt denkt, irgendetwas müsse doch im Eintritt von 8€ bereits inkludiert sein, der irrt. Gerade mal die Hüpfburg ist gratis, für alles andere zahlt man 6€ pro Fahrt. Was genau bekommt man also eigentlich für seine 8€? Tatsächlich nur den Zugang zu zahlreichen Möglichkeiten, mehr Geld auszugeben.

Aber eigentlich hatte ich ja Fotos machen wollen. Die Suche nach tatsächlichen Kürbisfest-Motiven entpuppte sich auf diesem Kürbisfest als wahre Challenge. Einige Aufnahmen habe ich dann doch geschafft. Ob sie die 8€ (plus 6€ mal sehr oft) wert waren, darüber kann man nachdenken, will man aber vielleicht nicht.

Alles in allem war es ein netter Nachmittag, vor Allem unsere Tochter hatte viel Spaß und möchte nächstes Jahr bestimmt wiederkommen. Schade war aber, dass das ganze doch recht generisch und lieblos wirkte. Das eingezäunte Gelände hätte man eins zu eins an jeden beliebigen Ort Österreichs packen können ohne einen Unterschied zu merken. Die Zeiten, in denen man beim Kürbisfest vor Allem den jeweiligen Ort und seine Bewohner kennenlernen konnte, sind wohl vorbei. Auch für die Einheimischen muss es schade sein, vom eigenen Kürbisfest derart ausgeschlossen zu werden, nämlich nicht nur durch die Art der Organisation, sondern tatsächlich durch einen Zaun.

Blick auf die Ortschaft Pembroke

Malta 2023 – Wanderung vom Salina Nature Reserve zu St. Julian’s Bay

Fotografie, Reisen

Es gibt da etwas, das nennt sich „Malta Costal Walk„, eine vorgeschlagene Wanderroute, um ganz Malta zu Fuß zu umrunden. Da sowieso für einen Tag unserer Reise eine Wanderung geplant war, wählte ich einen Abschnitt der Route, der von der Destination her zum an diesem Tag geplanten Abendprogramm passte, nämlich den im Costal Walk vorgeschlagenen Abschnitt 12. Das erste Stück, die Umrundung der Kleinstadt San Pawl il-Baħar, ließen wir dabei aus Zeitgründen aus. Die von uns gewählte Route habe ich in Open Street Map markiert:

Unsere Route

Wir starteten also bei den Salzfeldern des Salina Nature Reserve, die im 16. Jahrhundert am Ende der Salina Bay angelegt und um das Jahr 2010 herum mit Hilfe von EU-Fördermitteln saniert wurden. Es gibt hier ein kleines Informationszentrum, wer Glück hat, kann hier sogar Flamingos sehen. Das gelang mir zwar nicht, dafür konnte ich einen Silberreiher beim Fischen in den Salinen beobachten.

Die Salzfelder sind ein sehr netter Startpunkt für eine Wanderung, bereits nach etwa 300 Metern fragt man sich dann allerdings, wo denn nun der Wanderweg sein soll. Mindestens einen Kilometer lang versuchte ich, mit Hilfe von Google Maps und Internet den „richtigen“ Weg zu finden und gab schließlich auf. Die Wahrheit ist, ein großer Teil des von uns in Angriff genommenen Abschnitts des Wanderweges führt einen beinhart einfach nur die Autobahn entlang.

Während die Aussicht zu unserer Linken sehr malerisch war, rauschten zu unserer Rechten pausenlos Autos und Lastwagen vorbei und machten es schwer, den Spaziergang wirklich entspannend zu finden.

Um die Stimmung etwas zu heben und die suboptimal gewählte Wanderroute zu überspielen, beschloss ich, uns allen beim auf Google Maps angekündigten „Tasty Trailer“ ein Eis oder eine ähnliche Erfrischung zu gönnen. Frustrierenderweise war dieser aber, ich war beinahe nicht mehr überrascht, geschlossen.

Endlich das verdiente Eis, sowie einen Fußweg, der diese Bezeichnung auch verdient, bescherte uns schließlich der eine Ort Baħar iċ-Ċagħaq. Von dort aus kann man der gleichnamigen Straße folgen, die einen endlich von der Autobahn wegführt und etwas später in einen richtigen Wanderweg mündet.

Endlich konnten wir unsere Wanderung durch die maltesische Landschaft genießen ohne das dauernde Verkehrsrauschen und den Geruch der Straße, der den der heimischen Flora überdeckte.

Ab hier begann nun der wirklich schöne Teil unseres „Costal Walk“. Nun hatten wir nicht nur einen herrlichen Blick aufs Meer, sondern konnten auch die maltesische Landschaft und Flora bewundern. Das Flair ist hier eindeutig typisch mediterran, ein großer Teil der mehreren Hundert anzutreffenden Pflanzenarten gilt allerdings als nicht heimisch, sondern wurde im Lauf der Zeit von Menschen aus Sizilien, aber auch Nordafrika eingeschleppt oder bewusst angesiedelt. Auch das beinahe gänzliche Fehlen von Wäldern hat keine natürlichen Ursachen, sondern ist, wie auch in vielen anderen Regionen Europas, der Rodung durch den Menschen geschuldet.

Neben der charakteristische maltesischen Landschaft kann man entlang der Wanderroute auch ehemalige Befestigungsanlagen aus dem 17. Jahrhundert bestaunen, die bis in den zweiten Weltkrieg immer wieder leicht adaptiert und benutzt worden sind. Besonders blieb uns dabei der Madliena Tower in Erinnerung. Unweit dieses ursprünglich als Beobachtungsposten errichteten Turms kann man eine historische Geschosswaffe, eine Fougasse, aus nächster Nähe bestaunen. Diese konnte mit Schwarzpulver und Steinen oder Metallteilen befüllt und bei Herannahen des Feindes gezündet werden, bevor dieser die Gefahr überhaut entdeckt hatte.

Gleich daneben befindet sich ein nach wie vor genutzter Truppenübungsplatz. Das Schild, das einen vor dem Betreten des Geländes bei wehender roter Fahne, sowie dem Anfassen herumliegender Gegenstände warnt, da diese explodieren können, motiviert zu einem flotten Tempo, um das Gelände möglichst schnell hinter sich zu lassen.

Nach diesem Nervenkitzel und dem nun doch schon langen Marsch waren wir erleichtert, endlich die ersten Ausläufer der nächsten Stadt, Pembroke, vor uns zu sehen. Geradezu beschwingt schlenderten wir auf die Häuser zu. Das herrliche Gefühl, die einfache, aber abenteuerliche Wanderung bewältigt zu haben, ließ unsere Schritte schneller werden. Nach etwa drei Stunden erreichten wir dann endlich unser Ziel, den Il-Bajja ta‘ San Ġorġ in San Ġiljan.

Alles in Allem war insbesondere die zweite Hälfte dieser Etappe des „Costal Walk“ ein netter Spaziergang mit mediterranem Flair und historischen Sehenswürdigkeiten. Für die erste Hälfte würde ich allerdings empfehlen, eine alternative Route weiter landeinwärts zu suchen, das doch recht lange Stück entlang der Autobahn war aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens trotz der schönen Aussicht wenig entspannend.
Dennoch würde ich gerne wieder einmal auf Malta wandern, da das Gesamterlebnis mir doch in positiver Erinnerung geblieben ist.

Die gesamte Reise:

Malta 2023 – First Impressions
Malta 2023 – Rabat und Mdina
Malta 2023 – Zwischen Neuzeit und Gegenwart
Malta 2023 – Wanderung vom Salina Nature Reserve zu St. Julian’s Bay

Bahnwanderweg

Fotografie, Reisen

Heute ging es auf dem sogenannten Bahnwanderweg vom Bahnhof Semmering bis nach Breitenstein in Niederösterreich. Die Etappe hat eine Länge von etwa 9,5km und ist bei einem flotten Tempo mit kurzen Pausen in etwa drei Stunden zu schaffen. Ein kleines Manko sind die seltenen Zugverbindungen von und nach Wien, die einen bei einem Wanderweg, bei dem es ums Bahnfahren geht, doch überraschen.

Die Fotos wurden alle mit meinem Smartphone, dem Samsung Galaxy S10 Lite aufgenommen.

Gleich nach dem Start kommt man am „Kinderbahnhof“ vorbei, einem Spielplatz in Zugform für die jüngeren Wanderer. Allgemein würde ich den Wanderweg als durchaus familienfreundlich bezeichnen, mit zu kleinen Kindern ist er aber nicht zu empfehlen, da es gegen Ende zwei Abschnitte gibt, die von der Steigung her doch etwas anspruchsvoller sind.

Schon bald entdeckt man das erste Viadukt zwischen den Blättern, das Kartnerkogel-Viadukt. Auf 16 dieser Viadukte fährt die Semmeringbahn mit einer Streckenlänge von 42km von Gloggnitz nach Mürzzuschlag. Die Bahnstrecke wurde, gemeinsam mit den Viadukten, im 19. Jahrhundert gebaut. Als erste normalspurige Gebirgsbahn Europas gilt sie als Meilenstein der europäischen Eisenbahngeschichte und wird seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe gezählt.

Die nächste Sehenswürdigkeit ist das Kurhaus Semmering, ein ehemaliges Kurhotel, das seit den 90ern nur noch für Veranstaltungen genutzt wurde und mittlerweile leer steht. Die komplette Geschichte des Gebäudes sowie Informationen zum geplanten Umbau (der allerdings momentan auf Grund eines ausstehenden Gerichtsbescheids noch in der Schwebe ist) kann man beispielsweise hier nachlesen.

Nun erreichten wir den ersten Aussichtspunkt der Wanderung, den Aussichtsturm auf der Doppelreiterwarte. Mit dem Erklimmen einiger hölzerner Stufen verdient man sich einen trauhaften Ausblick auf die umliegende Landschaft, je nach Wetterlage sogar auf Rax und Schneeberg.

Auch unser Ziel, der Ort Breitenstein mit seinem Bahnhof, ist bereits zu sehen. Doch die scheinbare Nähe trügt. Der Weg führt zunächst noch ein ganzes Stück von Breitenstein weg bevor man sich dem Ort schließlich von der Seite wieder nähert.

Nicht verpassen sollte man den 20-Schilling-Blick. Dieses Landschaftsbild schmückte bis 2002 die Rückseite des österreichischen 20-Schilling-Scheins – allerdings ohne Baukran. An dieser Stelle findet man auch eine der zahlreichen Sitzgelegenheiten, die zu einer kurzen Pause einladen.

Der Name „Bahnwanderweg“ kommt übrigens nicht nur daher, dass man sich von einem Bahnhof zum anderen bewegt. Während der Wanderung kann man immer wieder das Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges hören und ab und zu auch einen erspähen. Der Weg schlängelt sich nämlich abwechselnd die Bahnstrecke entlang, darunter hindurch oder auch darüber hinweg. Dabei ist die Geräuschkulisse zu keiner Zeit störend, sondern im Gegenteil sehr stimmig.

Entlang der Strecke findet man im Übrigen zahlreiche Infotafeln mit Informationen zur Semmeringbahn und dem Bau der Strecke. Das Logo des Bahnwanderwegs begleitet einen und ist auf beinahe allen Wegweisern zu sehen. Schließlich ist die Hälfte der Strecke geschafft.

Das nächste Viadukt, auf das man einen guten Blick erhaschen kann, ist das Fleischmann-Viadukt im Unteren Adlitzgraben. Unter diesem führt uns unser Weg auch durch zum nächsten Rastplatz. Hier kann man auch Relikte aus der Zeit des Bahnbaus bewundern – eine stehengebliebene Hütte, in der die Arbeiter einquartiert waren, sowie einige der Werkzeuge und Geräte.

Nach einer kurzen Pause geht es zum ersten mal etwas steiler bergauf. Damit verdient man sich einen weiteren Blick auf das Fleischmann-Viadukt, diesmal von oben. Wieder erhascht man einen Blick auf den Zielort Breitenstein, doch wieder führt der Weg nicht direkt darauf zu, sondern eher darum herum.

Das nächste Viadukt, die Kalte Rinne, ist, wie man vorher bereits gesehen hat, gerade von einem Baugerüst umwickelt. Die Sanierung dieses größten Bauwerks der Semmering-Strecke wird noch bis 2024 dauern. Bis dahin ist auch der Bahnverkehr eingeschränkt.

An dieser Stelle der Wanderroute befindet sich ein kleines Museum zu Ehren von Carl Ghega, der die Semmeringbahn plante und die Bauleitung übernahm. Das Museum hat ab Mai Saison, die Öffnungszeiten sind auf der Homepage nachzulesen.

Wer noch nicht genug hat, kann gegen Ende der Wanderung noch das Krausel-Viadukt queren und einen Abstecher auf die Pollereswand (Bild oben) einlegen. Dieser ist mit etwa 1,5 Stunden veranschlagt. „Trittsicherheit und Übung im alpinen Gelände“ werden laut Informationstafel vorausgesetzt, denn von der Spitze geht es steil bergab.

Schließlich erreicht man den Ort Breitenstein. Nun hat man es endlich fast geschafft, so denkt man. Die Zeitangabe von 20 Minuten zum Bahnhof auf dem nächsten Wegweiser irritiert zunächst. Doch tatsächlich geht es ganz zum Schluss noch einmal für ein kurzes Stück weg von der Straße und richtig steil bergauf durch den Wald. Nach diesem anstrengenden Endspurt erreicht man aber das Gemeindeamt und gleich dahinter liegt der Bahnhof.

Alles in Allem war die Wanderung sehr entspannt und in den veranschlagten drei bis dreieinhalb Stunden gut zu bewältigen. Möchte man es gemütlicher angehen, gibt es auf der Strecke zahlreiche Sitzgelegenheiten und Aussichtspunkte, die zum Verweilen einladen. Sollte man sich entschieden haben, die Wanderung mit Kindern zu unternehmen und die Wartezeit auf den nächsten Zug etwas länger sein, kann man sich diese auf dem Spielplatz hinter dem Gemeindeamt vertreiben.

Eine vollständige Liste aller Viadukte der Semmeringbahn gibt es übrigens auf Wikipedia.

Malta 2023 – Rabat und Mdina

Reisen

Die beiden Orte waren zur Zeit der Römer, also vor etwa 2000 Jahren, eine gemeinsame befestigte Anlage mit dem Namen Melita. Die Araber teilten die Stadt später in zwei Teile, da es einfacher war, ein kleineres Gebiet zu befestigen und zu verteidigen. So bekam ein Teil den Namen Mdina (Stadt) und ist bis heute von den damals errichteten und einige Jahrhunderte später verstärkten Befestigungsmauern umgeben.

Der andere Teil bekam den Namen Rabat, was meinem Reiseführer nach so viel bedeutet wie „Wo die Pferde angebunden sind“.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs liefen in Rabat gerade die Vorbereitungen für den Joseftag (Feast of St. Joseph) am 19. März, in der katholischen Kirche der Hochtag des heiligen Josef und in Malta ein nationaler Feiertag.

Für diesen Tag werden die Straßen festlich dekoriert, es gibt einen Umzug mit Musik und in zahlreichen Läden entlang der Straßen lokale Spezialitäten und Erfrischungen.

Wie unser Tour Guide betonte, geht es bei diesem Fest nicht ausschließlich um Religion, sondern auch darum, zu feiern, gut zu essen und das Leben zu genießen. Entsprechend endet das mehrtägige Fest jedes Jahr mit einem großen Feuerwerk

Wie überall in Malta gibt es auch in Rabat und Mdina zahlreiche Kirchen, hier die Kollegiatskirche St. Paul in Mdina, einer der Wallfahrtsorte des Apostel Paulus.

Aus mehreren Quellen haben wir erfahren, dass es in Malta insgesamt 365 Kirchen gibt – eine für jeden tag des Jahres.
Die Bevölkerung Maltas ist überwiegend katholisch. Auch wenn die Zahlen unterschiedlicher Umfragen auseinandergehen, ist doch klar, dass sich jedenfalls über 80% zum katholischen Glauben bekennen.

Schließlich führte uns unsere Tour an das nördliche Ende von Mdina, von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf die Insel hat. Im Fontanella Tea Garden kann man die Aussicht bei Kaffee und Kuchen genießen – am besten zu zweit, denn zumindest beim Schokoladenkuchen ist die Portion sehr großzügig – perfekt zum Teilen.

Die gesamte Reise:

Malta 2023 – First Impressions
Malta 2023 – Rabat und Mdina
Malta 2023 – Zwischen Neuzeit und Gegenwart
Malta 2023 – Wanderung vom Salina Nature Reserve zu St. Julian’s Bay

Malta 2023 – First Impressions

Reisen

Eine Sprachreise mit meiner Klasse führte mich im März 2023 für eine Woche nach Malta. Da es mein erster Aufenthalt auf der Mittelmeer-Insel war, brachte jeder Tag neue Eindrücke und natürlich zahlreiche Foto-Momente.

Sonne und Meer

Das Wetter bei unserer Ankunft war herrlich. Aus Wien mit für gewöhnlich noch unter 10°C kommend, könnte man beim Verlassen des Flughafens gleich mal mindestens zwei Schichten an Kleidung ablegen und im T-Shirt die Sonne genießen.

Am Weg vom Flughafen in den wunderschönen Ferienort Sliema bemerkt man gleich den typisch mediterranen Flair der Landschaft der Insel. Im Gegensatz zu manch anderen Mittelmeerländern kamen die vielerorts zu sehenden Palmen auf Malta sogar tatsächlich ursprünglich natürlich vor, allerdings dürfte die entsprechende Art, nämlich die Zwergpalme (Chamaerops humilis) zwischenzeitlich ausgestorben und im Nachhinein wieder ausgesetzt beziehungsweise durch andere, künstlich angesiedelte Arten ergänzt worden sein.
(Quelle: Palms of the Maltese Islands, 11.03.2023)

So oder so lassen die Palmen in Kombination mit Sonnenschein und Meer sofort ein frühsommerliches Feeling aufkommen.

Der erste Blick in den Hafen, hier vom Balkon meines Hotelzimmers im Bayview Hotel, verstärkt dieses Gefühl durch eine Aussicht auf Yachten und Ausflugsboote, die nur darauf warten, einen mitzunehmen.

Sliema – Ein Ausflug nach Balkonien

Sliema ist ein gemütlicher Ort – so lange man zu Fuß unterwegs ist. Man kann durch die beschaulichen Gässchen spazieren und erhascht immer mal wieder am Ende einer langen Straße einen Blick aufs Meer. Da die Stadt sehr hügelig ist, kann der Blick auch mal sehr weit in die Ferne schweifen, bevor er am Horizont auf das in der Sonne glitzernde Blau trifft.

Mit dem Auto stelle ich mir die Wege von A nach B ein bisschen weniger entspannt vor. Die Gassen sind großteils eng, oft einspurig, und werden dem teilweise hohen Verkehrsaufkommen zu Stoßzeiten nicht wirklich gerecht. Erst gewöhnen muss man sich auch an den Linksverkehr.

Die öffentlichen Buslinien machen auch eher unglücklich als zufrieden. Über eine Stunde Verspätung dürften zu gewissen Uhrzeiten kein Einzelfall sein. Zum Glück gibt es bei schönem Wetter immer die Alternative, zu Fuß zu gehen – die Stadt ist nicht allzu groß.

Besonders auffallend sind die bunten Balkönchen an beinahe jedem Haus – und dass in zahlreichen der Straßen.
Malta hat seit seiner ersten Besiedlung etwa 5000 v. Chr. mehrmals die Herrschaft gewechselt und ist deshalb von zahlreichen Einflüssen geprägt, was sich auch in der Sprache niederschlägt. Maltesisch ist ursprünglich aus dem Arabischen entstanden, hat sich aber durch italienischen, französischen und britischen Einfluss im Lauf der Zeit stark verändert.

Die Balkone stammen wahrscheinlich aus der Zeit der arabischen Herrschaft im 9. bis 11. Jahrhundert n. Chr.

Die gesamte Reise:

Malta 2023 – First Impressions
Malta 2023 – Rabat und Mdina
Malta 2023 – Zwischen Neuzeit und Gegenwart
Malta 2023 – Wanderung vom Salina Nature Reserve zu St. Julian’s Bay

On the Road

Fotografie

Schon seit geraumer Zeit hatte ich die Idee für eine Bildserie, die vom Beifahrersitz aus entstehen sollte.
Da schaut man ja oft aus dem Fenster und starrt in die Landschaft und plötzlich bietet sich einem eine wunderschöne Aussicht, die man unbedingt schnell festhalten möchte, bevor man wieder daran vorbei ist, was oft schneller geht, als einem lieb ist.

Man zückt dann also so schnell es geht sein Handy, visiert durch die dreckigen Scheiben das Motiv an und versucht, aus dem fahrenden Auto ohne großes Trara ein Foto zu schießen.

Genau diese Stimmung wollte ich festhalten. Es ging also nicht um perfekt aufgenommene Fotos, sondern um genau dieses Improvisierte, dieses Schlampige. Mit einer HDR-Software (Ich habe Aurora HDR 2018 verwendet) wollte ich die Fotos dann qualitativ ein wenig aufwerten und einen leichten Vintage-Touch hinzufügen.

Die Fotos, mittlerweile habe ich schon einige gemacht, werden tatsächlich großteils nicht gut. Oft liegt das tatsächlich an der bereits erwähnten dreckigen Scheibe, die scheinbar obligatorisch bei jedem Auto vorhanden ist, in dem ich sitze. Manchmal liegt es an schlechter Belichtung, der hohen Geschwindigkeit oder daran, dass ich aus mir im Nachhinein nicht mehr bekannten Gründen den Zoom aktiviert hatte.

Im Endeffekt habe ich bis jetzt genau ein Bild herausbekommen, mit dem ich absolut zufrieden bin – und es auf Anhieb war. Weitere Versuche, in die ich einiges an Zeit investiert habe, erzielten nicht diesen Begeisterungseffekt. Ich habe mich deshalb entschlossen, diesen Beitrag auf dieses eine Bild zu beschränken, nach dem Motto „Qualität vor Quantität“.

Als Fotograf muss man eben auch mal damit leben, dass man gerade viel Zeit in die Erkenntnis investiert hat, dass das ein oder andere Foto einfach nicht so viel Potenzial hat, wie man es sich vorgestellt hat. Da helfen alle Filter der Welt nicht.

Weitere mit Aurora HDR 2018 bearbeitete Bilder gibt es hier.

Flora am Schneeberg (part 2)

Fotografie

(Hier geht es zu part 1)

Pflanzen zu bestimmen, kann Spaß machen. Es kann aber auch sehr frustrierend sein. Vor Allem, wenn man im Vorfeld nicht daran gedacht hat, die Pflanze auf eine Weise zu fotografieren, die alle Eigenschaften erkennen lässt. Wenn sich zwei Unterarten einer Blütenpflanze nur durch die Blatt- oder Wuchsform unterschieden, man aber nur die Blüte abgelichtet hat.

Das nette an www.naturbeobachtung.at ist, dass im Idealfall die eigenen Bestimmungsversuche von jemandem bestätigt werden, der sich besser auskennt als man selbst. Bestätigt oder auch widerlegt. So stellte sich meine Zwerg-Glockenblume vom letzten Beitrag als Scheuchzer-Glockenblume heraus und mein Zottiges Habichtskraut als Wollkorb-Habichtskraut.

Ob das Bestimmen von Pflanzen ohne großartige Vorkenntnisse eine Beschäftigung ist, der ich langfristig nachgehen werde, habe ich noch nicht entschieden. Es wird wohl auf die lange Liste der Dinge kommen, ich ich einfach in zufälligen Abständen mal mache aber nicht ernsthaft verfolge.

Hier jedenfalls noch vier weitere Exemplare von Blütenpflanzen am Schneeberg:

Der erste Teil des Beitrags: Flora am Schneeberg (part 1)

Flora am Schneeberg (part 1)

Fotografie

(Hier geht es zu part 2.)

Bei unserer Wanderung über den Schneeberg (Niederösterreich) letzten Sonntag (siehe hierzu den Beitrag Rad und Zahnrad) habe ich quasi als „Sidequest“ zum Gipfelsturm eine Auswahl an verschiedensten Blütenpflanzen fotografiert.

Zu Hause habe ich mich dann bemüht, sie alle richtig zu bestimmen. Meine Funde habe ich auch auf www.naturbeobachtung.at eingetragen.

Alle Bilder sind mit der Canon EOS 600D aufgenommen, teilweise mit einem Standardzoom (18-55mm), großteils aber mit meinem Teleobjektiv (55-250mm).

Weiter zum zweiten Teil: Flora am Schneeberg (part 2)

Glaskugel Runde 1

Fotografie

Nachdem sie schon lange auf meiner Wunschliste stand, habe ich mir nun so eine Glaskugel gegönnt. Ich habe mich für einen Durchmesser von 10cm entschieden, da die Kugel dann noch angenehm in meine Kameratasche passt. Allerdings wiegt die Kugel mehr als ich angenommen hatte, ob ich sie also nun in mein Standardequipment aufnehme oder nur zu einzelnen Fotoausflügen mitnehmen werde, habe ich noch nicht endgültig entschieden.

Beim ersten Bild habe ich mich dann gleich ein wenig bei der Bearbeitung gespielt und den Ständer wegretuschiert, auf dem die Kugel auflag. Außerdem habe ich, wo es möglich war, störende Reflexionen und helle Flecken im Hintergrund entfernt und den Hintergrund ein wenig aufgehellt, um die Kugel noch stärker hervorzuheben.

Das originale Bild kann man unten sehen.

Insgesamt hat mir dieses erste Experiment viel Spaß gemacht. Die Glaskugel lässt sich mit dem mitgelieferten Sockel auch auf das Kamerastativ stellen, allerdings dort nicht befestigen, weshalb die Angst vor dem Sturz stets präsent war. Dennoch entpuppte sich das Stativ als unentbehrlich, um die Kugel auf einer geeigneten Höhe platzieren zu können.

Unten sieht man noch eine weitere Aufnahme, bei der ich den störenden Mistkübel und ebenfalls einige helle Flecken in GIMP nachträglich entfernt habe.