Davon, (nicht) gesehen zu werden

Dies und das

Wer weiß, was der SGA ist? Es handelt sich dabei um den sogenannten Schulgemeinschaftsausschuss, ein Gremium, in dem je drei Vertreter von Schülern, Eltern und Lehrern sich mehrmals im Jahr treffen, um über Dinge zu reden und abzustimmen. Keine weltbewegende Institution, für den Schulalltag allerdings durchaus nicht unwichtig.

Dass das hier relevant ist, hat den Grund, dass diese Woche die Wahl stattgefunden hat und ich nicht gewählt wurde. Dass ich, nach vielen Jahren in diesem Ausschuss, nun nicht mehr Teil davon bin, ist ärgerlich, hätte aber für sich genommen mein Weltbild nicht zusammenstürzen lassen. Was dies verursacht hat, ist die Tatsache, dass ich erschreckend wenige Punkte bekommen habe (jeder Wahlberechtigte vergibt an sechs Kandidaten Punkte von 1 bis 6).

Ich habe wirklich viel für meine Schule getan, das sage ich ganz ohne Überheblichkeit. Ich will hier gar nicht ins Detail gehen, denke aber, dass ich schon mehr getan habe als viele andere. Das gilt auch für diejenigen, die nun tatsächlich statt mir im SGA sitzen, das spreche ich ihnen nicht ab. Aber warum habe ich nicht annähernd gleich viele Punkte wie sie?

Tatsächlich war nicht nur ich geschockt. Ich habe mit mehreren Personen gesprochen, die genauso überrascht waren. Und es gab einen Satz, der sich in diesen Gesprächen wiederholt hat: „Die Leute sehen einfach nicht, was du alles machst“. Warum sieht man mich nicht? Ich bin doch dauernd da! Ich versuche, mich überall einzubringen, bin zwar manchmal bescheiden, aber ein graues Mäuschen bin ich nun auch nicht.

Die Wahl ist nun zwei Tage her und ich bin immer noch frustriert. Am Heimweg von der Chorprobe habe ich heute das ZEIT Magazin gelesen und bin dabei auf einen Menschen gestoßen, der mich auf Anhieb beeindruckt hat. Ich hatte davor noch nie von ihm gehört, habe keines seiner 20 Bücher gelesen, sehe ihn aber jetzt als mein großes Vorbild.

Warum? Weil er sich vom Schneider des Papstes eine schwarze Soutane hat anfertigen lassen, einfach so, einfach, weil schwarz schlank macht. Tatsächlich steht ihm das Ding verdammt gut – das Foto hat mich irgendwie sofort in seinen Bann gezogen, weil das Kleidungsstück an diesem Mann einfach funktioniert, obwohl das total verrückt ist.

Es handelt sich übrigens um David Sedaris, falls sich jemand wundert, einen 1956 geborenen Autor und Essayist, – vielleicht lese ich ja mal etwas von ihm, – das ist aber eigentlich völlig nebensächlich.

Jedenfalls habe ich in einer spontanen Eingebung beschlossen, dass ich mich ab sofort nicht mehr übersehen lassen will. Ab jetzt wird jeder immer merken, dass ich da bin (aber nicht auf eine nervige Art). Meine große Zeit beginnt jetzt. Nächste Woche lasse ich mir die Haare orange färben.

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