Aus dem Leben einer Nichtraucherin

Dies und das

Nun ist das neue (Nicht)rauchergesetz in Kraft, somit haben wir den Rest Europas endlich eingeholt.


Nachweislich sind wir (Österreich) „das einzige OECD-Land, in dem der Anteil der Raucher zunimmt“ (Die Presse: https://bit.ly/2O41b1w), in einer weltweiten Rangliste der Länder mit dem höchsten Zigarettenkonsum sind wir auf dem stolzen 17 Platz von über 260 Ländern (WIkipedia: https://bit.ly/2r9EbFt) und etwa 10% unserer Jugendlichen im zarten Alter von 15 Jahren rauchen bereits mindestens eine Zigarette täglich (Salzburger Nachrichten: https://bit.ly/2KDbAiT).

Und scheinbar bilden wir uns darauf etwas ein! So ein schönes, raucherfreundliches Land, Land der uneingeschränkten Freiheit – zumindest bis September 2019.

So eine Frechheit, dass man nun in Lokalen nicht mehr rauchen darf. Sollen die Nichtraucher doch in „Nichtraucherlokale“ gehen, gib ja angeblich genug. Gemischte Freundesgruppen sollen sich dann halt vor dem Lokal trennen oder die Nichtraucher sollen das doch bitte einen Abend mal aushalten. Die Angestellten sollen sich nicht so anstellen. Sie haben es sich schließlich ausgesucht, dort zu arbeiten und könnten bestimmt ohne Schwierigkeiten jederzeit einen Job in der Gastronomie finden in einem der vielen Nichtraucherlokale. Die blöden Nichtraucher wollen die armen Raucher in ihrer persönlichen Freiheit einschränken. Hört man dauernd.

Ich möchte jetzt von drei Erlebnissen erzählen, die gar nicht so sehr mit dem Rauchverbot zu tun haben, sondern eher mit den Schwierigkeiten, die man tatsächlich als Nichtraucher hat, die eigene Freiheit gegenüber der so oft gepriesenen Freiheit der Raucher durchzusetzen.

Fortgehen mit Freunden

Es gibt diese Phase, in der man selber schon weiß, dass man schwanger ist, es aber noch nicht jedem erzählen möchte, die „kritischen zwölf Wochen“. In dieser Zeit begab es sich ab und zu, dass Freunde mich einluden, etwas mit ihnen zu unternehmen. Die Frage „Ist das Lokal rauchfrei?“ ergab meistens nur ein kurzes, verdutztes Schweigen und ein ahnungsloses Schulterzucken. Da hatte einfach niemand drauf geschaut.

Also musste ich dann jedes Mal selbst recherchieren, meistens war es nicht rauchfrei, ich bin dann manchmal einfach nicht mitgegangen oder die ganze Gruppe musste nur wegen mir in ein anderes Lokal gehen anstatt in das, dass sie eigentlich besuchen wollten. Und das ohne, dass ich erklären konnte, warum mir das auf einmal so wichtig ist.

Andererseits, warum muss ich mich überhaupt dafür rechtfertigen, dass ich mich nicht gerne in ein verrauchtes Lokal setze? Hat mir trotzdem Leid getan, vor allem, weil diese nicht rauchfreien Lokale ja durchaus gemütlich sind, gutes Essen haben, ich eigentlich gerne dort sein würde, nur eben ohne Rauch.

Die Lokalsuche

Immer noch schwanger war ich einmal auf der Suchen nach einem Lokal, um eine Freundin zu treffen. Also Handy gezückt und auf Google Maps die Umgebung abgesucht. Ich habe auch schnell ein Lokal gefunden, mit guten Bewertungen, angeblich gutem Essen, netter Bedienung.

Als wir das Lokal betraten, blieb mir im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg. Im ganzen Raum, das Lokal war nicht sehr groß, stand der Rauch. Und zwar richtig extrem. Ich ließ meinen Blick wandern und fand an einer Tür ein Schild mit dem Nichtraucher-Symbol. Dir Tür führte zu einem dunklen, unmöblierten Zimmer, das scheinbar als Abstellraum genutzt wurde.

Auf die ehrlich gemeinte Frage, wo denn der Nichtraucherbereich sei, schaute der Kellner erst mal sehr unsicher und meinte dann, wir könnten draußen sitzen. Bei gerade mal zehn Grad nicht wirklich verlockend.

Dieses Lokal fiel also weg. Aber wie sollte ich sicher sein, dass mir das nicht im nächsten Lokal wieder passierte? Es ist nicht so einfach, nur anhand der Beschreibung im Internet festzustellen, wie es in einem Lokal mit der Raucherpolitik ausschaut.

An alle, die meinen, es gäbe ja genügend Nichtraucherlokale, es ist nicht immer einfach, diese zu identifizieren und die Auswahl an Lokalen wird auf einmal bedeutend kleiner.

Wir suchten dann ein anderes Lokal auf, das auf den ersten Blick auch einen guten Eindruck machte. Es gab keine offensichtliche Abtrennung, also setzten wir uns an einen beliebigen Tisch. Kaum war unser Essen auf dem Tisch, begannen die Leute am Nebentisch zu rauchen. Ich habe überall nach einem Hinweis gesucht, dass ich im Raucherbereich sitze, aber keinen gefunden.

Das Traurige ist, ich habe mich nicht einmal getraut, etwas zu sagen, weil ich in ähnlichen Situationen schon oft böse angeschaut bis beleidigt worden bin, wenn ich auf das auch damals schon bestehende Rauchverbot bei fehlender Abtrennung aufmerksam gemacht habe. So viel zu den Nichtraucherlokalen.

Die Straßenbahnstation

Neulich, schon mit Kinderwagen, bei der Straßenbahnstation. Es war sehr kalt und hat leicht geregnet. Ich hätte mich ohne größere Schwierigkeiten zu den anderen Wartenden in das winzige Wartehäuschen drängen können.

Aber fünf der sechs Menschen in diesem Wartehäuschen haben gerade eine Zigarette geraucht. Mit ist bewusst, dass ein Rauchverbot bei offenen Straßenbahnstationen nicht zur Debatte steht. Nur musste ich die wertvolle „Freiheit“ der Raucher damit bezahlen, dass ich nun entscheiden musste, ob ich im Regen warten, oder meinem Baby dem Rauch von gleich fünf Zigaretten auf einmal aussetzen möchte. Die Lunge der Kleinen ist nicht größer als meine Faust, diese Menge an Schadstoffen könnte sie also nicht so leicht wegstecken wie ein Erwachsener.

Was ich damit eigentlich sagen will…

Für eine Bevölkerungsgruppe, die sich pausenlos angegriffen fühlt, ist die Toleranz und Rücksichtnahme gegenüber anderen in eben dieser Bevölkerungsgruppe erstaunlich gering. Sogenannte Nichtraucherlokale mag es gegeben haben, sie waren aber nicht leicht zu finden. Auf der Straße macht man sich keine Gedanken darüber, wer aller mitrauchen muss – Männer, Frauen, Kinder, alte und Kranke Menschen, sollen wohl einfach zu Hause bleiben, wenn sie das stört?

Wenn von Seiten der Raucher von vornherein ein bisschen mehr Rücksichtnahme vorhanden wäre, vielleicht bräuchte es dann nicht so viele Gesetze.

Whatever, c ya

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