Wie jedes Jahr habe ich dem November mit einer Mischung aus Schrecken und Vorfreude entgegengeblickt. Denn es ist mal wieder NaNoWriMo, der National Novel Writing Month (https://nanowrimo.org/), in dem man sich selbst dazu herausfordern kann, in 30 Tagen ein Buch mit 50.000 Wörtern zu schreiben. Mit Vollzeitjob und Familie ein Ding der Unmöglichkeit, könnte man meinen, würde es nicht doch immer wieder Menschen geben, die zumindest auf sozialen Medien von sich behaupten, das geschafft zu haben.
Ich versuche es jedes Jahr aufs Neue, obwohl ich eigentlich seit Jahr zwei weiß, dass ich es nicht schaffen kann. Was eigentlich traurig ist. Aber irgendwie auch wieder nicht, denn das wirklich traurige wäre ja, aufzugeben, es überhaupt zu versuchen.
Tatsächlich bin ich heuer gar nicht so schlecht unterwegs. Denn zwar habe ich nach über einem Drittel der Zeit noch nicht einmal 10% der angestrebten Wortanzahl erreicht, jedoch habe ich mit meinen bisherigen 4332 Wörtern bereits um 60% mehr geschafft, als letztes Jahr während des ganzen Monats und auch bereits über 40% der 10.001 Wörter, die ich in meinem Rekordjahr 2019 zustande gebracht habe.
Und auch, wenn ich das Ziel von 50.000 Wörtern wohl auch dieses Jahr nicht erreichen werde, so habe ich doch bereits jetzt von dem Versuch profitiert. Denn wenn man so spät Abends vor dem Laptop sitzt und vergeblich versucht, zumindest noch einen und dann noch einen Satz zu schreiben, kommt irgendwann der Moment, in dem man endlich die Schranke überwindet, die man sich selber durch den Anspruch setzt, alles was man schreibt, müsste auf Anhieb gut sein. Man hört auf, jeden Satz drei mal umzuschreiben. Man hört sogar auf, nachzudenken und fängt an, einfach nur noch zu schreiben. Und ich denke, dass es genau darum geht. Dass man einfach mal drauflos schreibt. Und das habe ich tatsächlich viel zu lange nicht mehr gemacht.
Es ist etwas Befreiendes, das zu tun. Das Ergebnis muss nicht gut sein, es muss nur da sein. Man kann einfach niederschreiben, was einem gerade einfällt. Bearbeiten kann man es später immer noch. Und wenn es am Ende doch hoffnungslos schlecht wird, man muss es ja niemandem zeigen. Wenn man dieses Stadium des Schreibens erreicht hat, dann ist es, als hätte sich etwas gelöst, man schreibt einfach nur noch um des Schreibens willen und nicht um des Resultats willen. Und wer noch nie so geschrieben hat, der sollte es in jedem Fall einmal ausprobieren.
Ich werde jedenfalls weiterschreiben. Nicht nur im November, sondern auch danach. Und vielleicht schaffe ich es ja immerhin, meine bisherige Bestleistung zu überbieten.
