Wenn es nichts mehr zu sagen gibt

Dies und das

Anfangs war es noch spannend. Aufregend. Beängstigend. Abgesehen vielleicht von den Wahlabenden, an denen mit Spannung die erste Hochrechnung erwartet wird, hat man mich vor Corona eigentlich kaum vor einen Live-Ticker gebracht. Vor etwas über einem Jahr begann ich dann, alle Nachrichten die es zur Pandemie gab (auch wenn sie damals diesen Titel noch nicht verliehen bekommen hatte) mitzuverfolgen.

Ich wollte ja wissen, was da los war. Was es mit der Krankheit nun tatsächlich auf sich hatte. Schließlich kam es dann tatsächlich zum Lockdown. Am ersten Arbeitstag nach meiner Karenz fuhr ich zu meinem Arbeitsplatz in der Schule, zwei Stunden später fuhr ich wieder nach Hause. Die Schulen waren dann erst einmal für ein paar Wochen geschlossen, aus denen Monate wurden.

Ab da wurde das Lesen des Live-Tickers bald auch quasi zur Dienstpflicht. Schließlich erfuhr man dort als erstes, wie denn die nächste Woche – oder der nächste Tag – in der Arbeit aussehen würde. Auf den offiziellen Erlass oder die passende Verordnung mit der Information, ob man denn nun am Montag den Unterricht von daheim würde abhalten müssen oder in der Schule, wartete man schon mal bis Sonntag Abend. Das ist übrigens immer noch so.

Nach einem Jahr Corona-Nachrichten ist mir nun aber bereits seit einiger Zeit etwas aufgefallen. Es gibt zu Corona einfach nicht mehr wirklich etwas zu sagen. Gesagt wird es trotzdem. Bereits seit Monaten wiederholen sich die Schlagzeilen in Endlosschleife. Die Bundesländer wechseln sich mit der Führung im Bezug auf die 7-Tage-Inzidenz fast schon zyklisch ab. Will man die Bevölkerung mental auf ein baldiges Schließen des Handels oder der Schulen vorbereiten, häufen sich Berichte von überforderten Ärzten. Geht es in Richtung Öffnung, erschienen plötzlich zahlreiche Experten auf der medialen Bildfläche, die über die negativen Folgen eines Lockdowns sprechen. Weder die Informationen, noch die Argumente sind neu.

Beim Aufschlagen meiner Samstags-Zeitung denke ich nun regelmäßig an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

„Alles auf macht der Mai“, hieß es etwa letzten Samstag auf Seite 4 der Presse. Ausführlich konnte man hier lesen, welche Öffnungsschritte im Mai auf uns zukommen. Das kam mir gar sehr bekannt vor. Tatsächlich stieß ich beim Stöbern durch das Presse-Archiv auf Seite 10 der Ausgabe vom 16.05.2020 auf den Artikel „Das große Aufsperren“. Denn tatsächlich öffnete im Jahr 2020 alles am 15. Mai. Heuer wird es der 19. Mai. Fun-Fact: Das Piktogramm bei der Kategorie „Gastronomie“ ist bei beiden Artikeln haargenau das gleiche. Und täglich grüßt das… na Sie wissen schon.

Ob wir es, gleich dem Protagonisten in besagtem Film, irgendwann schaffen, durch bedachtes und einfühlsames Handeln aus der Schleife auszubrechen, ist fraglich. Denn wagt man sich etwa in die Abgründe des User-Forums im Standard, wird schnell klar, dass auch das Wiederkäuen der Fakten im Monatsrythmus bei vielen Menschen zu keinem Wissenszuwachs geführt hat.

Dass beispielsweise die Impfung nur vor der Ausbreitung des Virus im Körper und damit vor einem schweren Verlauf, nicht aber vor der Vermehrung und Verbreitung im Rachenraum und damit einer potenziellen Ansteckung anderer schützt, ist nach wie nicht zu jedem durchgesickert, wie sich herausstellt, auch nicht zu unserem Nationalrat, der nun darüber diskutiert, dass sich Geimpfte nicht mehr testen lassen müssen1. Auch die Tatsache, dass die maximal mögliche Anzahl an verfügbaren Intensivbetten nicht auf der Zahl von leer stehenden Betten beruht, sondern auf der Zahl an Betten, die im Notfall frei gemacht werden können, etwa durch das Verschieben teils sehr wichtiger Operationen, hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Wer es aber bis jetzt nicht verstanden hat, der wird es auch nicht mehr verstehen.

Um zu meinem ursprünglichen Punkt zurückzukehren – es gibt zu Corona einfach nichts Neues zu sagen. Und trotzdem wird die ganze Zeit darüber geschrieben. Weil halt sonst auch nicht so viel passiert im Inland. Abgesehen von ein paar Korruptionsskandalen, aber das ist in Österreich ja eigentlich auch schon nichts Neues mehr.
Deshalb habe ich mit dem Lesen des Live-Tickers inzwischen wieder aufgehört.

Und ob am nächsten Montag Schule ist, erfahre ich mittlerweile von meinen Schülern. Die wissen das nämlich von Instagram.

Quellen:
1 https://www.diepresse.com/5972230/nationalrat-will-geimpften-das-testen-ersparen

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