Das Dilemma des Poeten

Dies und das

Wenn man schreibt, hat mein ein ganz großes Problem – dass auch Menschen, die man kennt, die Endprodukte lesen. Der Großteil von allem, was ich schreibe, hat keinen oder wenig Bezug zu meinem eigenen Leben. Ich würde nie auf die Idee kommen, meine intimsten Gedanken oder Gefühle der ganzen Welt auf einem Silbertablett zu servieren. Trotzdem kommen immer wieder Menschen (vor allem jene, die mich nur flüchtig kennen), auf den Gedanken, sie wüssten genau, auf welche Situation in meinem Leben sich jene Stelle einer Kurzgeschichte bezieht oder wen ich eigentlich meine, wenn in meinem Roman ein junger Zwerg namens Hase seine Schwester vermisst. Ich wurde schon öfter von Leuten, die ein Gedicht von mir gelesen haben, gefragt, ob es mir schlecht geht. Die Antwort ist prinzipiell, nein, ich schreibe einfach gerne Gedichte und dabei geht es mir in der Regel sogar sehr gut.
Am schlimmsten ist es, wenn Menschen glauben, sich selbst irgendwo wiederzufinden. Es würde mich in meiner Freiheit sehr beschränken, wenn ich mir bei jedem Text vorher genau überlegen müsste, ob sich nicht vielleicht jemand dadurch angesprochen fühlen könnte und deshalb tue ich das auch nicht. Aber ich merke, dass ich vorsichtiger werde und das geht mir eigentlich ordentlich gegen den Strich.
Was mich tröstet ist, dass ich bestimmt nicht der einzige Schriftsteller bin, dem es so geht und ich möchte an dieser Stelle all jenen meinen tiefsten Respekt aussprechen, die nicht davor zurückschrecken, ganz wundervolle, traurige, schöne, verstörende, berührende, einfach bewegende Geschichten zu veröffentlichen und ich möchte mich für diese Geschichten bedanken.

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